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Full text of "Aus der inneren Geschichte der Juden Frankfurts im XIV. Jahrhundert : Judengasse, Handel und sonstige Berufe"

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Aus der. inneren Geschichte 
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Aus der 

inneren Geschichte der Juden 
Frankfurts 

im XIV. Jahrhundert 
(Judengasse, Handel und sonstige Berufe) 

Vom 

Oberlehrer Prof. Dr. I. Elracauer 



Jahresbericht 

des 

Philanthrop ins 

Realschule und Lyzeum der israelitischen Gemeinde 

zu Frankfurt am Main _ 



Ostern 1914 



Frankfurt am Main 

Druck von M. Lehrberger &. Co. 

1914 



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in 2010 with funding from 

Univers ity of Toronto 



http://www.archive.org/details/ausderinnerengesOOkrac 



I. Die Frankfurter Jndengasse von den ältesten 
Zeiten bis zum Jahre 1400. 

Die Geschichte des Frankfurter Judenquartiers zerfällt in drei 
scharf getrennte Abschnitte. Den ältesten Zeitraum rechnen wir 
von der ersten Niederlassung der Juden in der Stadt bis zu der sog. 
Judenschlacht des Jahres 1349, in der die Judenhäuser in Flammen 
aufgingen. Der zweite Abschnitt umfaßt die Jahre 1360 — 1462, 
d. h. die Zeit zwischen dem Termin der Wiedereinführung der 
Juden bis zu dem Jahre, wo sie auf päpstlichen Befehl ihre 
Häuser räumen mußten, da sie zu nahe am Dom wohnten und die 
religiösen Zeremonien beobachten konnten, was der Papst als ein 
großes Ärgernis ansah. Damals wurden sie angehalten, sich auf 
dem Wollgraben niederzulassen, also außerhalb der alten Stadt- 
befestigung in einem entlegenen, nur schwach bewohnten Teil der 
Neustadt. Damit hebt der dritte Zeitraum an, der ungefähr 334 
Jahre währte, bis die Beschießung Frankfurts durch die Franzosen 
im Jahre 1796 und die Einäscherung der Judengasse dem Ghetto- 
dasein ein für allemal ein Ende bereitete^). 

Das älteste Judenquartier. 

Über die Topographie des ältesten Judenquartiers hatten wir 
bei dem Mangel an Nachrichten bis vor kurzem nur eine sehr 
unvollkommene Vorstellung. Erst die Ausgrabungen, die der zu 
früh der Wissenschaft entrissene Baurat L. Thomas am Domhof 
und auf dem Weckmarkt 2) vorgenommen hat, sowie sein Über- 
sichtsplan ^) zum ältesten Judenstadtviertel in Frankfurt a. M., 
den ich hier beigebe, lichten etwas das Dunkel, das bisher 
über dem Judenquartier gelagert hatte. Thomas' Grabungen 
im Jahre 1897 bezweckten die Untersuchung der 1350 erbauten 
alten Friedhofsmauer am Dom und die Aufklärung der Bodenver- 
hältnisse zwischen dem ehemaligen Leinwandhaus (dem jetzigen 
Städtischen Museum) und der jetzigen, 1571 erbauten neuen, noch 

^) Näheres hierüber siehe meine Arbeit, Die Geschichte der Judengasse in Frank- 
furt a. M. 

*) Siehe Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, 3. Folge, 6. Band, S. 314 ff. 
*) Seine Benutzung wurde mir seinerzeit vom Verstorbenen freundlichst gestattet. 



— 6 — 

erhaltenen Friedhofmauer. Er fand auf dem heutigen Weckmarkt 
Substruktionen verschiedener, zweifellos mittelalterlicher Gebäude. 
Uns interessieren in erster Keihe diejenigen, die im Übersichts- 
plan mit m und n bezeichnet sind. Sie sind Reste des ältesten, 
am weitesten nach Norden vorgeschobenen Teils des Judenquartiers, 
„die gefundenen Fundierungen . . . mit den sie überliegenden Schich- 
tungen von Abbruch- und Aufbaumaterial" sprechen nach Thomas 
deutlich dafür. Demnach war die Südfront der nördlichen Häuser- 
reihe etwas weniger als 10 m vom Leinwandhaus entfernt; im 
Westen stieß sie auf das in unsern Urkunden öfters erwähnte Haus 
zum kleinen Affen, das die Affengasse im Süden abschloß (siehe 
Übersichtsplan) ^). Im Osten erstreckte sie sich bis zur heute noch 
erhaltenen Mehl wage, also bis zur Fahrgasse. Die Breite der äl- 
testen Judengasse läßt sich nicht mehr sicher feststellen, da die 
Anlage des neuen Kanals , der Wasserleitungs- und Gasröhren usw. 
die Bodenverhältnisse völlig verändert haben. Jedenfalls war die 
Gasse sehr schmal, wohl wenig über 2 m breit. Die jetzige Front 
des Leinwandhauses durchschneidet die Hausreste der südlichen 
Seite. 

Bemerkenswert ist, daß die Häuser oder vielmehr Häuschen 
nicht in einer Bauflucht lagen und nicht aneinanderstießen, sondern 
daß zwischen den einzelnen Gebäuden ein allerdings sehr schmaler 
Zwischenraum war. Die einzelnen Bauplätze waren unregelmäßig 
hof artig verbaut. In unmittelbarer Nachbarschaft dieser Häuser, 
auf deren Fundamente Thomas gestoßen war, dicht beim Main 
oder am Flusse selbst, „in der besten Gegend der Stadt", wie Johann 
Latomus bemerkt^), waren die weiteren Wohnsitze der Juden. 
Hier herrschte der regste Verkehr, ein fortwährendes Gehen und 
Kommen. Über die Fahrgasse strömten die von Norden und 
Süden kommenden Scharen; der breite Fluß, belebt durch Last- 
schiffe aller Art, wirkte mächtig fördernd auf den Handel zu einer 
Zeit, wo es an Fahrstraßen mangelte oder diese wegen der auf 
ihnen herrschenden Unsicherheit möglichst gemieden wurden. 
An Sonn- und Festtagen aber wallten die Frommen nach dem nur 
wenige Schritte vom Judenquartier entfernten Dom in die Kirch- 
messen zu Ehren des heiligen Bartholomäus. Die in diesen Fest- 
zeiten unweit der Kirche errichteten Kaufbuden, später die daraus 



^) Diese Gasse existierte am Ende des XVI. Jahrhunderts nicht mehr, näheres bei 
Battonn III, S. 323. 

*) . . . tunc [judei] optimam partem civitatis rnhabitabant. Frankfurter Chroniken 
und annalistische Aufzeichnungen des Mittelalters von Froning, S. 25, und Anonymus, 
L c. S. 146, intelligentes, Judeos in optimo loci situ habitantes. Dies empfanden auch nach 
Latomus die Geißlerscharen, als sie 1349 in die Stadt eindrangen, als „eine Verachtung 
des Herrn" und metzelten deshalb, um ihn zu rächen, die Juden nieder (Kracauer, 
Politische Geschichte der Juden, S. 40). 



— 7 — 

erwachsenden Messen, boten den Juden Gelegenheit zu reichlichem 
Verdienst'). 

Wie sich auf dem unweit des Domes befindlichen Markt, der 
damals die Krämergasse hieß (vicus institorum), das kaufmännische 
Leben konzentrierte, so spielte sich auch das politische Leben der 
Stadt im Judenquartier ab. Hier befanden sich ja das Rathaus, 
die Münze, das Komphaus (Haus der Färber) und dicht an der 
Synagoge der Loher (Lower) Hof, der den Lohgerbern gehörte und 
wohl ihr Versammlungsort war. Hier besaß der Erzbischof Mathias 
von Mainz einen Hof, dessen Einkünfte er dem Ritter von Cronberg 
verkaufte. 

Der Ausdruck „Judengasse" in unseren Quellen (strata judeo- 
rum, vicus judeorum) für diese ältesten Wohnsitze der Juden ist 
also nicht im Sinne einer Zwangs wohnstätte aufzufassen, die aus- 
schließHch ihnen reserviert war. Es war durchaus freier Wille der 
Juden, daß sie sich gerade hier niederließen; es stand ihnen frei, 
sich auf andere Stadtteile auszudehnen. So besaßen die Frankfurter 
Juden eine viel größere Bewegungsfreiheit als die Juden anderer 
Reichsstädte, wie z. B. Cölns. Dort saßen sie in einem be- 
sonderen Viertel, das damals schon gegen die Stadt abgesperrt 
war. Die Schlüssel zu den Toren der Gasse waren in den Händen 
des Stadtboten, der sie bei Sonnenuntergang zu schließen und bei 
Sonnenaufgang, bei der frühen Prime, wieder zu öffnen hatte, wofür 
ihm die Juden jährlich 20 Mark bezahlen mußten 2). 

Ebenso wohnten die Juden von Regensburg in einem besonderen, 
durch drei große und drei kleine Tore gegen die übrige Stadt ab- 
gesperrten Viertel, das, wenigstens im XV. Jahrhundert, jeden 
Abend verschlossen und jeden Morgen geöffnet wurde ^). 

In Frankfurt aber, wo die Juden, wie wir wissen, im Zentrum 
des städtischen Verkehrs gesessen waren, wohnten Christen aller 
Stände mitten unter ihnen, ohne daß es als etwas Besonderes, 
Außergewöhnliches angesehen wurde. Nicht nur Handwerker treffen 
wir hier, verschiedene Schuhmacher, wie Johann und Hanemann, 
desgleichen Kürschner usw., sondern auch die angesehensten 
Bürger der Stadt haben hier Häuser, so Johann von Holzhausen 
der Älteste, Jakob Clobelauch, Dudeman, genannt Rosenbusch, 
der Stadtschreiber usw. Ja es war nichts Seltenes, daß Juden als 
Mieter bei Christen wohnten, wie uns dies vom Judenarzt Jakob 



^) Siehe auch Kriegk, Geschichte und Lage der Frankfurter Juden im Mittelalter 
in Frankfurter Bürgerzwiste usw., S. 441. Er macht auch noch auf einen anderen Grund 
aufmerksam, der die Juden die Nähe des Mains als Aufenthalt wählen ließ, da sie für ihre 
religiös vorgeschriebenen Bäder des Flußwassers bedurften, 1. c, S. 442 und Anm. 2. 

*) Nach Stobbe, Die Juden in Deutschland während des Mittelsalters, S. 14; Gengier, 
Die Stadtrechtsaltertümer, S. 99ff. 

») Stobbe, L 0., S. 80. 



und von manchen andern Juden ausdrücklich angegeben wird. 
Vielfach wohnten die Juden in eigenen Häusern, den Bauplatz 
(area) hatten sie alsdann von der Stadt erkauft. Noch hatten sie 
das Recht, solche zu erwerben und mit vollem Eigentumsrecht zu 
besitzen^). So verkauft auch im Dezember 1288 der Judenmeister 
Anselm in Frankfurt an den Priester Heinrich von Rödelheim einen 
ewigen jährlichen Zins von 3 U^ der auf einem. Hause ruhte, 
das einst dem Juden Gottschalk gehört hatte, und der Schultheiß 
nebst den Schöffen fügen der Urkunde das städtische Siegel bei 2). 
Noch am Ende des XIV. Jahrhunderts finden wir Juden als wirk- 
liche Hausbesitzer^). Selbstverständlich zahlen auch die Juden wie 
die christlichen Bürger der Stadt von ihren Häusern den Hauszins. 
Im Jahre 1322 betrug er 43 ö! h.^). Nur sträubten sie sich, von den 
Häusern und Grundstücken, die sie von Christen durch Kauf 
erworben hatten, die darauf ruhenden kirchlichen Abgaben zu 
entrichten, da sie als Juden dazu nicht verpflichtet wären. Der 
Streit darüber ging bis an den Papst, der den Juden eröffnen ließ, 
sie hätten bei Vermeidung schwerer Strafen entweder die kirch- 
lichen Abgaben von den Häusern und Weinbergen zu geben oder 
sie an Christen zu veräußern^). 

Die Häuser, die den nördlichsten Teil des Judenquartiers bil- 
deten, gehörten dem Domstift. Wir wissen, daß schon die Karolinger 
dieses reich ausgestattet hatten. Ein großer oder wohl der größte 
Teil des Bodens rings um die Kirche war sein eigen ^). Um ihn besser 
zu verwerten, hatte ihn das Stift Fremden gegen Entrichtung eines 
Zinses zur Bebauung überlassen'), vielleicht auch selbst Häuser 
gebaut, die es vermietete. Als Mieter aber waren die Juden wegen 
der größeren Sicherheit, die sie boten, nicht unwillkommen, diese 



^) Als der Frankfurter Rat den Bürgern von 1374 ab das Areal des sog. Buchwaldes 
in Parzellen von 4 bis 1 Morgen verkaufte, ließ er auch Juden als Käufer zu (Urkunden- 
buch Nr. 256, S. 103). Näheres bei Bücher, S. 265f. 

2) Urkundenbuch Nr. 15, S. 6. 

^) So verkauft Miün, die Tochter Kaimans von Mainz, die beiden Häuser ihres 
Vaters in der Saalgasse — zum Storch und Katzenelnbogen — an ihre Schwägerin, GutUn 
von Eppstein (Urkundenbuch Nr. 421, S. 197, vom 5. August 1393), ebenso Isaak, Sohn 
des Kaiman von Mainz, das Haus zur Brückenau an Konrad von Glauburg (1. c, Nr. 439, 
S. 203, vom 9. September 1395; siehe Battonn II, 54). 

*) De prefata pecunica cedebant de domibus judeorum 42 U' h, Urkundenbuch S. 290. 

^) Pohtische Geschichte der Frankfurter Juden, S. 16. 

*) Goldschmidt, Die Rückkehr der Juden nach Frankfurt im Jahre 1360 in Geigers 
Zeitschrift für die Geschichte der Juden, Band II, S. 158; cf. Gengier, Die deutschen 
Stadtrechtsaltertümer, S. 105ff. So hat der Jude Isaak sich mit Bewilligung des Bam- 
berger Stiftes ein Haus auf dessen Grund und Boden bei Boppard erbaut, siehe Urkunden- 
buch zur Geschichte der . . . mittelrheinischen Territorien von Elster und Goerz, Band III, 
S. 63 Nr. 61 vom Jahre 1216. 

') Es kam sogar vor, daß die Juden ihren Grundbesitz der Kirche übertrugen und 
ihn von ihr als Lehen gegen Entrichtung einer x\bgabe zurückerhielten; sie ahmten also 
damit das Beispiel der Christen nach. 



— 9 — 

andererseits waren gern Zinsleute der Geistlichkeit, sie glaubten als 
solche auf ihren Schutz in stürmischen Zeiten rechnen zu können^). 
Freilich verstieß das Bartholomäusstift damit gegen die Bestim- 
mungen der Synoden, wonach kein Jude in einem der Kirche ge- 
hörenden Hause oder in der Nähe eines christlichen Friedhofes 
(und dieser befand sich ja am Dom) wohnen sollte. Aber weder 
dieser, noch andere judenfeindliche Synodalbeschlüsse wurden da- 
mals in Frankfurt beachtet^). 

" Die Bartholomäusbücher ^) verzeichnen uns sowohl die Namen 
der Zinspflichtigen als auch die Höhe des Grundzinses, wie sich 
aus folgender Tabelle ergibt. 



Käme des Hausmietera 



1. Die Jüdin Frey de 



und ihre Erben. 
2. Haipart. 



3. Das Judenbad. 

4. Phyfis«). 

5. Liepman'). 



Lage des Hauses 



Zins 



Ecke Fahrgasse und Arnsburger 
Gasse. 

Das Haus Herbords an der Brücke. 

Doppeleckhaus der Fahrgasse und 

(großen) Fischergasse*) 



Gegenüber der Synagoge (Juden- 
schule), vermutlich der östliche Teil 
der heutigen Schmidtstube ^). 

Gegenüber dem südUchen Teil des 

Doms^). 
An der Nordostecke des Juden- 
quartiers, der Südostecke des Bar- 
tholomäusfriedhofes gegenüber, 
zwischen Fahrgasse und Fischer- 



Je 6 den. am 2. Februar und 

November (siehe auch Urkun- 

denbuch S. 218). 

6 den. am 24. November. 

Je 18 den. am 2. Februar und 

im Oktober. 

6 den. am 9. September. 

1 den. am 5. Oktober. 

6 den. am 2. Februar. 

6 den. am 21. Oktober. 

(Dagegen im Urkundenbuch 

S. 218 6 den. und 18 den.) 
10 den. und 1 obol. am 2. Fe- 
bruar, 6 den. am 15. September. 

3sol. am 1. Mai. 



1) Vgl. Fußnote 7 auf S. 8. 

2) So auch nicht der Beschluß der Synode zu Breslau des Jahres 1267, wonach die 
Juden getrennt von den Christen, in besonderen Judenquartieren wohnen sollten (Scherer, 
Rechtsverhältnisse der Juden, S. 44 u. 45). 1404 gestattete der Papst den Frankfurtern, ihre 
Häuser an Juden zu verleihen (Bender, Der Zustand der Israeliten in Frankfurt a. M., S. 4). 

3) Abgedruckt im Urkundenbuch, S. 302ff., ohne Angabe des Jahres; doch wissen 
wir, daß die Häuser, wenn auch die Besitzer wechselten, immer nach dem ersten Besitzer 
genannt wurden. Es gibt uns also die Zinsliste des Bartholomäusstiftes die Zahl der 
ihm zinspflichtigen Juden vor 1349 an. 

*) Da im Bartholomäusbuch 1. c. fol. 20 a noch bemerkt wird, daß das Haus auch 
an der Mosemannsgasse (siehe weiter unten) lag., war es am Anfang der westlichen Seite 
der Fahrgasse (Nr. 13). 

») Siehe Battonn IV, 30. 

8) Liber Barthol. (Urkundenbuch 302 ff.). Battonn IV, 7 Uest falsch Physis. Phyfis 
ist wohl identisch mit dem auf S. 305 des Urkundenbuches erwähnten Vivis judeus, 
von dem es heißt ... 6 den. de domo sua apud Jacobum HeKrici et domum Brestonis. 
Jener aber bewohnte, wie aus Urkundenbuch S. 218 hervorgeht, das Haus zur Schale 
(jetzt Städtisches Museum). 

') Ein Liepmann wird in dem Rechenbuch 1357 (Urkundenbuch S. 217) und in den 
Gerichtsbüchern der Jahre 1341 und 1347 erwähnt. 



10 



Käme des Hausmieters 


Lage des Hauses 


Zins 


6. Costermann ^). 


Grenzt im Westen an Liepmanns 


Früher 1 sol. am 2. März, später 




Haus. Es lag über der Antauche, 


IsoL am 1. Mai, 




zwischen Fahrgasse und Samuels- 






gasse ^). 




7. Samson (Samp- 


Zwischen den genannten Straßen 


Früher 2 sol. am 2. März, später 


8on)2). 


in unmittelbarer Nähe von Nr. 6 

(doch siehe auch Urkundenbuch 

S. 304). 


2 sol. am 1. Mai. 


8. StraP). 


Gegenüber dem südwestUchen Teil 


Früher Isol. am 17. AprU, spä- 




des Bartholomäusfriedhofes, neben 


ter Isol. am 1. Mai. 




dem Haus des Phyfis. 




9. Gumpert*). 


Zwischen Gumprechtsgasse und 


Je 6 den. am 3. Januar und am 




Storchgasse^). 


1. Mai. 


10. Anselm. 


Nicht angegeben. 


6 den. am 3. Januar. 


11. MicheL 


Hof und Haus bei Johann de We- 
dere. 


2 sol. am 31. Dezember. 



Die Bartholomäusbücher führen außerdem noch den Zins von 
verschiedenen Häusern an, in denen die Juden nur als Mietsparteien 
bei Christen wohnten^). Wir übergehen diese Häuser, da ihre Lage 
nicht näher angegeben wird, bis auf das Haus zur Schale, das an 
das des Phyfis anstieß'). 

Auch noch andern geistlichen Stiftern und Klöstern hatten 
die Juden den Hauszins zu entrichten, da sie auf deren Boden saßen. 
So zinste Moses (Moyze) den Nonnen zu. St. Kathrinen für das 
Haus Katzenelnbogen (jetzt Saalgasse 5), ebendenselben zahlte 
auch Selmelin Zins für ein Haus, dessen Name nicht erwähnt 
wird. Die Weißen Frauen erhoben einen Zins von verschiedenen 



^) Sonst nicht bekannt. 

^) „Infra vicos Fargasse et transitus vicorum piscatorum et judeorum (Urkunden- 
buch S. 303, damit vgl. 1. c. S. 304). 

3) Siehe Urkundenbuch S. 218. L. c. 

«) Siehe auch Urkundenbuch S. 303. 

5) L. c. S. 304. 

®) So wohnt Natan im Hause des Bresto, die Jüdin Minna im Hause Jakobs, des 
Sohnes Helfrichs, Minneman aus Pappenheim im Hause der Witwe Friedrichs, Liepman, 
genannt zum Storch, im Hause Sterkerads. 

') An der Stelle, wo die drei Häuser des Stral, des Phyfis sich befinden, ward später 
das Leinwandhaus (jetzt das historische Museum und das städtische Archiv) errichtet. 
Siehe auch Battonn IV, S. 6. — Die Bedeutung der zwei ins Rechenbuch 1357 (Urkunden- 
buch S. 318) eingeklebten Zettel mit der Aufschrift „Census de domibus iudeorum 
extra cimiterium" wird an anderer Stelle erörtert werden. Auf den Zetteln begegnen 
wir z. T. denselben Häusern und Namen, wie in den Bartholomäusbüchern, z. T. aber 
neuen Hausmietern, wie Fridericus, Moses, Salman Fischelin. Dietz, im Stammbuch der 
Frankfurter Juden, zählt S. 435 nicht weniger als 24 ,, Wohnhäuser" der Juden auf. Seine 
Quelle hierfür — er nennt sie nicht — ist wohl Battonn. Aber in manchen dieser Häuser 
saßen die Juden nur als Mieter. Klein-Stolzenberg (Nr. 21 seiner Aufzählung), ebenso 
Stein- Wonneberg (Nr. 24) haben nie den Juden gehört; Simon von Seligenstedt wohnte 
nur als Mieter daselbst (Urkundenbuch Nr. 183, S. 75), dasselbe gilt vom Hause Neu- 
Falkenstein (Nr. 16), wie aus Urkundenb. 1. c. hervorgeht. 



— 11 — 

Judenhäusern, außerdem von der Badestube und von der Synagoge^), 
ebenso waren vor 1349 die Juden Moses von Aschaffenburg und 
Kadernetz für ihre Häuser den deutschen Ordensherren zins- 
pf lichtig 2); in gleicher Weise das Tanzhaus der Juden und der 
davor liegende Hof^). Auch weltliche Herren hatten auf ihrem 
Grund und Boden Juden sitzen, so der Herr von Schoneck(en) in 
Boppart. Diesem entrichteten sie für seine zwei Häuser, von 
denen das eine dicht an der Judenschule, das andere in der Affen- 
gasse (auf dem Ubersichtsplan bei e) lag, zusammen 972 h und 3 h 
Zins*). So fand die territoriale Zersplitterung Deutschlands ihr 
Gegenbild in der des Judenquartiers. 

Nur in vereinzelten Fällen geben die Rechen- und Gerichtsbücher 
die Namen der Häuser, in denen die Juden saßen ; meistens begnügen 
sie sich mit allgemeinen Angaben, wie Jacob an der Brücke (apud 
pontem), David an dem Moine, oder sie nennen das Haus nach 
seinem Besitzer, wie domus Josephi, domus judee Bubiin, domus 
Morset de Hohenberg usw. Aus der Bezeichnung eines Hauses als 
Judenhaus ist nicht immer festzustellen, ob die Juden darin als 
Eigentümer oder als Mieter saßen. Vom Haus zum Alten Schwert^) 
(domus ad gladium), wissen wir, daß es Moses von Seligenstadt 
gehörte, der es 1337 Emicho, dem Kanonikus der Kirche zu Würz- 
burg, für 100 155 verpfändete. Mitbesitzer des Hauses war Süßkind 
von Cöln^). Als Mieter finden wir darin Isaak (1333) und Gumpert 
(1343) (siehe oben). 

Ein anderes Judenhaus ist der Storch, ein Haus, das seinen Namen 
noch bis auf den heutigen Tag bewahrt hat. Verschiedene Miets- 
parteien wohnten darin, 1333 Morsit, 1340 Gumpert') ; von 1341, bzw. 
1342 ab Fischelm, Rechelin, Lewe^), Meiger (= Meier) ^), Liepmann. 

Ein drittes Judenhaus ist der Speshart (Speheshart)^) ; auch hier 
wohnen in den vierziger Jahren des XIV. Jahrhunderts verschiedene 

1) Rechenbuch 1358 (Urkundenbuch S. 219). 

2) L. c. 

^) Gerichtsbuch 1357 (Urkundenbuch 455). 

*) L. c. 1361 (Urkundenbuch. S. 221). 

^) Wohl identisch mit dem Haus zum Schwert, nach Battonn II, 77, entspricht es 
Lit. L Nr. 44 = Fahrgasse 43. 

«) Urkundenbuch Nr. 62, S. 18. 

') Siehe Gerichtsbuch 1340, deshalb Gumpert Starg genannt. Diese und die folgenden 
Angaben sind aus den Gerichtsbüchern der betreffenden Jahre herausgezogen. 

8) Im Gerichtsbuch 1347 (Urkundenbuch S. 421, cf. 1. c, S. 422) findet sich folgende 
SteUe: Minman et Gumpertus zu dem Storke dederunt censum suum, quem solvisse 
debebant, Gerdrudis 7V2 den. de domibus suis Gumperti predicti et duobus domuncuhs 
sibi continuis pro iUis de Ovinbach. Folgt etwa hieraus, daß der Storch sich damals in 
christhchem Besitze befand? 

*) Bei Battonn finden sich „Spessart, alter Spessart, junger Spesshart" (siehe 
Register S. 235, Band VII). Gemeint kann nur der zweite sein, der sich in der heiligen 
Geistgasse (in vico sancti Spiritus), jetzt Saalgasse 38 (Lit. J, Nr. 80) befand (Battonn IV, 
S. 83 u. 84. 



— 12 — 

Juden, so Fifelin, Minnemann, die Jüdin Fromut und Fyfel- 
mann. 

Schließlich wird noch der Kleine Affe (oder bloß Affe) erwähnt, 
in ihm saßen Joseph (1340) und Simon (1347). 



Fassen wir all diese topographischen Angaben zusammen, so 
kommen wir zu folgendem Ergebnis: Es wohnte ein Teil der Juden 
in der heutigen Saalgasse, und zwar von ihrem östlichen Teile vom 
Hause Katzenellnbogen, Saalgasse Nr. 5 bis über den Weckmarkt 
nach der Fahrgasse. Doch auch der westliche Teil der Saalgasse, 
der nach dem dort befindlichen Heiligengeistspital „Heilige Geist- 
gasse" hieß, war von Juden bewohnt. Somit konnte der Kanonikus 
Baldemar von Peterweil vom Bartholomäusstift, der in der zweiten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts lebte ^), in seiner Beschreibung der 
zu seiner Zeit in Frankfurt vorhandenen Straßen, von einer Juden- 
gasse (vicus judeorum) sprechen, die sich von der Schmied- (älterer 
Name für Fahr-) gasse und der südöstlichen Ecke des Bartholo- 
mäusfriedhofes bis zum heiligen Geistspital erstrecke^). Mehr ver- 
einzelt saßen Juden im östlichen Teil der Parallelstraßen zur Saal- 
gasse und des heutigen Weckmarktes, doch befanden sich gerade 
hier die wichtigsten Gemeindehäuser^). 

Nicht weniger als drei Quergäßchen (transitus) verbanden das 
nördliche und das südliche Judenquartier, also die Saalgasse mit 
ihrer östlichen und die Fischergasse mit ihrer westlichen Fort- 
setzung: das Samuelsgäßchen'*) im äußersten Osten ^) zwischen 
dem Kaufhaus (jetzt Ostflügel des Stadtarchivs) und dem Loherhof, 
der dem heutigen Roseneck gegenüber lag; dasGumprechtsgäßchen®), 
westlich davon und östlich vom Leinwandhaus, die Storch (jetzt 
Schlachthaus)gasse') (siehe den Übersichtsplan). Nicht so sicher 
ist die Lage eines vierten Gäßchens, des Mosemannsgäßchens, das 
seinen Namen, ebenso wie das Samuels- und Gumprechtsgäßchen, 
von einem jüdischen Bewohner erhalten hat^). Bei Baldemar findet 

^) Über ihn H. von Xathusius, Baldemars von Peterweü Beschreibung von Frank- 
furt im Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, dritte Folge, Band V, S. 2. 

^) S. 6: Unter antiqui opidi superioris partis vici principales: Judeorum a vico 
fabrorum et acie respiciente orientem et meridiem cemiterii ecclesie sancti Bartholomei 
ibidem, ad hospitale prenotatum (sc. sancti spiritus). 

^) Siehe weiter unten. 

*) Baldemar S. 15, Sanwals Gazze. 

^) Bei Baldemar, S. 7, bezeichnet mit transsitus piscatorum et judeorum ... ad 
portam meridionalem cemiterii ecclesie sancti Bartholomei. 

^) Bei Baldemar, S. 15, Gumprachs Gazze, und S. 7: transitus orientaüs ad portam 
meridionalem occidentalem ejusdem cemiterii. 

') Bei Baldemar, S. 15, Storgkis Gasse und S. 7 näher bezeichnet als transitus 
occidentalis ad aciem respicientem meridiem et occidentem cemiterii ejusdem. 

^) Der Name Maseman (Moßemann) findet sich in unseren Quellen erst von 1346 ab. 



— 13 — . 

sich der Name nicht, wohl aber in den Bartholomäusbüchern. 
Battonn (II, 60 und IV, 33) bemerkt über das Gäßchen unter der 
Überschrift „Kleine Fischergasse, dem Brückhofe gegenüber": 
„Ihre (der Gasse) Lage schränkt sich zwischen die Fahrgasse und 
die Fischergasse ein." Dietz verlegt sie ans Fischerpf Örtchen, was nicht 
zutrifft. Da es von einem Eckhause der Arnsburger- und Fahrgasse 
heißt (Battonn IV, 33): opponitur quasi vico parvo dicto Mose- 
mannsgazze und das Gäßchen als transitus zwischen Fahrgasse und 
Fischergasse bezeichnet wird, so zog sie sich wohl zwischen der 
Samuels- und Fahrgasse in annähernd westöstlicher Eichtung hin. 



Um die Mitte des XIV. Jahrhunderts brachen zwei verhäng- 
nisvolle Ereignisse über die Frankfurter Juden herein, die auch die 
Judengasse in Mitleidenschaft zogen. 

Kaiser Ludwig hatte verschiedene Mitglieder der Gemeinde 
wegen Verbrechen — von welcher Art diese waren, ist unbekannt — 
vor Gericht gezogen und bestraft. Eine allgemeine Panik entstand 
darüber bei den Juden, eine Anzahl — der Kaiser nennt in der be- 
treffenden Urkunde^) von einigen die Namen ^) — floh aus Furcht 
vor gleicher Strafe. Der volle Zorn des Kaisers ergoß sich über 
die „ihm abtrünnigen und vorflüchtigen Juden", „den wir doch 
no dehein leid getan hetten". Als Entschädigung für die ihm aus 
ihrer Flucht erwachsene Schmälerung seiner Einkünfte zog er die 
Häuser und sonstigen Besitzungen der Geflohenen ein und verkaufte 
sie der Stadt um 300 "U Heller^). Wollten aber die Flüchthnge wieder 
nach Frankfurt zurückkehren, so gestattete der Kaiser, daß der 
Rat sie aufnehme und mit ihnen wegen der Rückgabe des konfis- 
zierten Besitzes verhandle*). So war eine Anzahl Judenhäuser 
in den Besitz der Stadt gelangt. 

Viel gewaltiger als dieses kaiserliche Strafgericht griff in das 
Schicksal der Frankfurter Juden und ihrer Gasse das Jahr 1349 ein. 

Am 25. Juni dieses Jahres schloß Karl IV. mit dem Frank- 
furter Rat einen Vertrag, in dem er ihm die Juden um 15 200 u 

^) Stammbuch der Frankfurter Juden, S. 434. 

2) Die Urkunde ist ausgestellt Frankfurt, am 26. November 1346. Das Original 
befindet sich im Frankfurter Archiv Privileg. 78, abgedruckt im Urkundenbuch Nr. 108, 
S. 38. Bücher (S. 533) schätzt die Zahl der Geflohenen und der Bestraften, aUerdinga 
etwas willkürhch, auf 50 Personen. 

^) In der Urkunde heißt es: Der Rat und die Stadt Frankfurt mögen die Häuser 
und Gesässe der geflohenen Juden „in irer hant und gewalt haben, mit ze tuen und ze 
lazzen, zu verkauffen, zu versetzzen und nach allem irem nutze als vor dasz si sich dem 
geld wider miigent genehin etc." (Siehe poUtische Geschichte der Frankfurter Juden, S. 32.) 

*) Von dieser Erlaubnis haben 7 der Geflohenen (Bücher, S. 534, zählt nur 5) Ge- 
brauch gemacht, nämhch Mosemann von Wetzlar, Fischün von Erfurt, SenderHn von 
Speyer, Falk von Münzenberg, Menchin von Konstanz und nach dem Gerichtsbuch des 
Jahres 1347 auch Jacob Haipart und Granan. 



— 14 — 

Heller verpfändete, „sie selbst und ihr Gut, das sie in Frankfurt 
oder außerhalb Frankfurts haben, ihre Höfe, Häuser nebst Friedhof 
und Schulhof (Synagoge) mit allen Nutzen, Gefällen und Diensten" 
bis zur Wiedereinlösung entweder durch ihn selbst oder durch 
seine Nachfolger^). Die Juden waren also aus dem Besitz des Kaisers 
in den der Stadt übergegangen. Damit war diese dem Ziele ihrer 
Politik, das sie während des ganzen XIV. Jahrhunderts mit großer 
Zähigkeit verfolgte, nämlich die kaiserlichen und anderweitige 
Rechte an sich zu bringen und wirklich Herr auf eigenem Terri- 
torium zu werden, um ein bedeutendes Stück nähergerückt. 

Karl IV. hatte aber bei der Verpfändungsangelegenheit nicht 
ganz ehrliches Spiel getrieben. Er sah voraus, welches Los den 
Juden von selten der fanatisierten Scharen der Geißler drohte, 
ohne Vorkehrungen dagegen treffen zu wollen, und wußte, daß sie 
als Steuer- oder Pfandobjekt bald sehr im Preise sinken würden. 
In der Tat nahten sich 14 Tage nach der Abreise des Kaisers aus der 
Stadt die Geißelbrüder, die sich auch Judenschläger nannten, 
dem Frankfurter Gebiet. Am 24. Juli drangen sie in die Stadttore 
ein und stürzten sich sogleich auf das Judenquartier. Während des 
darin tobenden erbitterten Kampfes ging dieses in Flammen auf. 
Ohne Unterschied wurden christliche und jüdische Wohnstätten in 
Aschenhaufen verwandelt 2), Die Straßen um den Dom waren jetzt 
nur noch eine rauchende Trümmerstätte. Das Feuer hatte auch das 
Dach der Bartholomäuskirche ergriffen und sich im Süden bis zur 
Fischerpforte und dem Brückenturm verbreitet. Vom Friedhof 
der Bartholomäuskirche aus konnte man jetzt ungehindert bis zur 
Mitte der Mainbrücke sehen ^). 

Da fast alle Juden bei dem Gemetzel umgekommen waren, 
konnte sich die Stadt als Erbe ihrer Besitzungen betrachten. Der 
Rat deutete dies symbolisch an, indem er um die Trümmerhaufen 
einen Verschlag machen ließ*), sonst aber blieb die Gasse geraume 
Zeit unverändert in dem trostlosen Zustand wie nach dem Brande. 
Erst 1357 wurde der Schutt in den Hofstätten und in der Synagoge 
entfernt^). 

Die nächste Sorge des Rates war, die leeren Plätze zu verkaufen, 
um sich einigermaßen für die hohe Verpfändungsumme von 15200 ^ 

^) ürkundenbuch Nr. 141 , S. 50 , s. auch politische Geschichte der Frankfurter 
Juden S. 37. 

') S. poUtische Geschichte der Frankfurter Juden S. 40. 

^) Stantibus in cimiterio ejusiem basihce Hberum ad pontis medium prebuerunt 
aspectum Chronicon S. 8 (Frankfurter Chroniken, bearbeitet von Froning). 

*) Rechenbuch 1349 vom 2. August (ürkundenbuch S. 216). 

*) Rechenbuch 1357, fol. 22b: 4 U zu grabene uff den Juden hobestadin und fol. 27a: 
4t U 2h.TM. graben in der Juden schule (ürkundenbuch S. 217). Leider sind uns die Rechen- 
bücher in den fünfziger Jahren des XIV. Jahrhunderts nur teilweise erhalten, sie fehlen für 
die Jahre 1 353 — 1 355 und für 1 359 und damit manche auf die Judengasse bezüghche Angabe. 



— 15 — 

Heller schadlos zu halten. Die Rechenbücher dieser Jahre ver- 
zeichnen auch einzelne Verkäufe und die an die Stadt fallenden 
Hauszinse^). Aber der Fortgang des Verkaufs verzögerte sich 
wohl dadurch, daß das Bartholomäusstift einen großen Teil der 
Judenhofstätten, besonders die auf der nördlichen Seite der ehe- 
maligen Judengasse gelegenen, als sein Eigentum in Anspruch nahm. 

Der an den Dom stoßende alte Pfarrkirchhof hatte durch die 
Erweiterung der Kirche und die Errichtung eines Kreuzganges 
viel von seinem Umfang verloren, jetzt bot sich dem Stift die er- 
wünschte Gelegenheit, ihn durch Heranziehung der Judenhof- 
stätten zu erweitern 2), In diesem Streit^) setzte das Domkapitel 
dem Rat gegenüber seine Ansprüche durch. Am 12. März ließ es 
den Grundstein zu einer Mauer legen, die den erweiterten Friedhof 
völlig umschloß. Der Bau dieser Mauer nahm etwa zwei Jahre in 
Anspruch^). 

Auch noch andere Bewerber um die ehemaligen Wohnsitze 
der Juden, so der Augustinerorden und der Graf Ulrich von Hanau, 
stellten sich ein; fast schien es, als betrachte man sie wie herren- 
loses Gut, das sich jeder aneignen dürfe. Es war hohe Zeit, daß der 
Kaiser eingriff. Als er im Beginn des Jahres 1354 in Frankfurt 
erschien, erkannte er ausdrücklich die Rechte der Stadt auf die 
Judenhofstätten an und gelobte, selbst nicht darüber zu verfügen^). 
Aber auf das Wort des Kaisers war kein Verlaß, er schenkte doch 
der Gräfin Irmengard von Nassau einige Hofstätten, die sie ihrem 
Sohn Rudolf abtrat^), und im Oktober 1356 verlieh er dem Landvogt 

^) So Rechenbuch 1352 (auf dem inneren Pergamentdeckel) unter Einnahmen: von 
eyner Juden hofestad zu cinse von zwein jaren 15 <S). — Rechenbuch 1356 (ebenfalls 
auf dem inneren Pergamentdeckel) unter Einnahmen LXX [gülden] von einer Juden 
hobestad vnd fleckin, die gap Herman zum Saltzhus. — Rechenbuch 1357, fol. 17 b: 
Johann Gertener 4 mark zu cinse von syme huse an der eckin und etzewanne waz Suzkin- 
des des Juden, daz he um die stad had gekoufft. Das Haus gehörte also früher Süßkind 
von Köhi. (Dieser Posten findet sich auch im Rechenbuch 1358, foL 16b.) — Rechen- 
buch 1358, fol. 7a: Heintze hentzsschuher 2 marg von einer judenhobestad, da der 
hantzschuer inne wonet vor der brücken. 

-) Siehe Battonn III, 240: Beschreibung des alten Pfarrkirchhofes vor 1537. Ja- 
amies Latomus bemerkt ausdrücklich (Frankfurter Chroniken von Froning, S. 94): Multae 
tamen judeorum domus praesertim von der Meelwagen ad templum nostrum (die Bar- 
tholomäuskirche) sunt solo aequatae et quia annuis censibus erant obHgatae ecclesiae, 
fundi nobis sunt adjudicati, qui deinde ad ampUationem coemiterü sunt redacti. 

^) Darauf läßt der Ausdruck adjudicati (siehe oben) schließen. 

*) Latomus bemerkt noch (S. 96): In die Palmarum (17. März) super iisdem sc. 
arces judaeorum (die jetzt einen Teil des Kirchhofes ausmachten) primo habita est stacio 
a clero et populo. Vgl. Aus den Kollektaneen des Philippus Schurz in Frankfurter Chro- 
niken, S. 152. Siehe auch Battonn, S. 241, Anm. 218 u. 219. 

*) . . . daz wir oder nyemand von unsern wegen der Juden husir odir hovestede . . . 
nicht vergiften, bescheiden . odir geben suUen noch enwoUen, als verr ob sie sulche unsir 
gäbe mit andern unsern briven beweisen mugen. . ., alz si zu rechte suUen. (Urkunden- 
buch Nr. 155, S. 60, siehe auch ]. c. Nr. 156, S. 61. 

«) L. c. Nr. 162, S. 62. 



— 16 — 

der Wetterau, Ulrich von Hanau, dem er sehr verpflichtet war, 
eine Judenhof statte „zur Besserung seiner Lehen" und einige 
Wochen später eine zweite^). 

Inzwischen hatte der Rat es für das Beste gehalten, sich mit 
all denen, die ihre Ansprüche auf die ehemaligen Judenwohnstätten 
rechtlich beweisen konnten, also mit den bereits genannten geist- 
lichen und weltlichen Herren, sich friedlich zu verständigen und als 
Rechtsnachfolger der Juden ihnen den Hauszins jährlich zu ^t- 
richten, um nicht des Rechtes verlustig zu gehen, die Hofstätten 
jederzeit zu bebauen 2). Nur mit dem Domstift, das doch, wie wir 
gesehen haben, einen Teil der Judenhofstätten seinem Friedhofe 
einbezogen hatte, schwebte noch ein Streit wegen anderer Grund- 
stücke und besonders wegen einer am Steinernen Haus des Dom- 
kapitels gelegenen Hof statte, bis sich endlich am 24. Juli 1365 beide 
Parteien darüber verglichen^). Der Dechant und das Kapitel 
verzichteten schließlich zugunsten der Stadt auf den Zins*). 

Die Judengasse nach 1360. 

Wenn auch nach den Quellen nicht genau festzustellen ist, 
um welche Zeit Juden wieder nach Frankfurt gekommen sind, 
so haben doch Bücher^) und Goldschmidt ^) gegen Horovitz') über- 
zeugend dargetan, daß dies im Spätsommer des Jahres 1360 erfolgt 
ist, denn am 3. September 1360 finden wir im Bürgerbuch eine Anzahl 
von Juden eingetragen mit dem Bemerken, daß sie des Reiches und 
unserer Herren (sc. des Frankfurter Rates) Bürger geworden sind^). 

Der Bezirk, in dem die Juden ansässig gewesen waren, hatte 
inzwischen ein ganz anderes Aussehen erhalten. Sein Umfang war 
gegen früher, da der nördliche Teil zum Bartholomäusfriedhof 



1) L. c. Nr. 158, S. 61, Nr. 159, Nr. 160, S. 62. 

^) Siehe Goldschmidt I. c, S. 159. So finden wir als ständige Posten in den Rechen- 
büchern unter Ausgaben die Zinse an die Deutschordensherren, an die Johanniter, die 
Weißen Frauen, die Herrn von Schonecken, an das Katharinenstift, die Präsenzien auf 
den Chor zu St. Batholomäus. 

3) In der Vergleichsurkunde (Urkundenbuch Nr. 196, S. 81) werden 10 Häuser an- 
geführt, darunter die bereits auf S. 11 — 14 erwähnten des Lipmann, des Gumpert, das 
Judenbad und das Haus auf der Antauche (eyduche), die vor 1349 der Geistüchkeit den 
Zins entrichtet hatten. Außerdem handelt es sich „umb den fleckin und judenhobestad 
. . . obwendig an irme (sc. des Domkapitels) nuwen steynen huse und gesezse an dem 
Juden schullehofe". Solange diese unbebaut blieben, soUte die Stadt von der Zinszahlung 
für die 10 Häuser an das Kapitel befreit sein usw. 

*) Am Rande links der Urkunde befindet sich die Notiz: Disen brieff han die herrin 
zur pharre hinder yn gehabt und uns (sc. dem Rat) wider gegebin, wand sie uff die gülde 
vertzijgen han nach lüde eins andern brieff. darüber gemacht. 

5) Die Bevölkerung von Frankfurt am Main, S. 535 ff. 

*) Im oben erwähnten Aufsatz in Geigers Zeitschrift. 

') Frankfurter Rabbinen I, S. 10. 

*) Siehe Urkundenbuch S. 314. 



— 17 — 

gezogen war, um ein Beträclitliches kleiner geworden. Nur ein 
Teil der Hofstätten war wieder bebaut, hier wohnten jetzt der 
Bierbrauer Heinz, der Handschuhmaclier Heinz, der hochangesehene 
Bürger Johann von Holzhausen, der anscheinend mehrere Häuser 
daselbst hatte bauen lassen, ferner Gerhard Rosenbusch, Johann 
Oertner, Johann Hochhus und andere i). Auf einer Hof statte hatte 
die Stadt die öffentliche Wage errichtet. 

Dazwischen gab es noch manchen wüsten Fleck, von dem der 
Schutt nicht weggeräumt war, da der Rat wohl erst den Ausgang 
des damals noch nicht zum Abschluß gekommenen Prozesses ab- 
warten wollte. So stieß man beim Passieren des Judenquartiers 
Schritt und Tritt auf Hindernisse; erst im folgenden Jahr wurde 
es für den Verkehr wegsam gemacht 2). 

Nur eine recht bescheidene Anzahl von Juden wagte sich an- 
fangs in die Stadt, im ganzen acht. Die Hoffnung des Rates 
auf baldigen stärkeren Zuzug erfüllte sich einstweilen nicht, im 
Gegenteil, das nächste Jahr zogen drei Juden wieder ab, wofür 
nur Jakob von Miltenberg eintrat. Es war augenscheinlich, den 
Juden erschien Frankfurt trotz seiner Bedeutung als Meßplatz 
nicht begehrenswert zu dauerndem Aufenthalt. Erst mit 
Beginn der siebziger Jahre nimmt nach Ausweis der Rechen- 
bücher die Zahl der Haushaltungen zu^). Aber nirgends findet 
sich darin — die Buchführung entspricht allerdings nicht den 
Anforderungen moderner Genauigkeit — , ein Vermerk, daß neu 
zugezogene Juden sich vom Rat Hofstätten erworben hätten. 
Offenbar gebot ihnen die Vorsicht, sich nicht durch den Bau eigener 
Häuser zu sehr an die Stadt zu fesseln. Denn noch hielten sie mit 
Recht die Zustände für zu unsicher. Ihr Aufenthalt in Frankfurt 
war nur auf Widerruf des Kaisers gestattet; auch währte der Zwist 
zwischen dem Rate und den Zünften noch immer, und deren den 
Juden wenig geneigte Gesinnung war bekannt. Sie zogen es deshalb 
vor, als Mieter zu wohnen. Ausdrücklich bemerkt das Bedebuch 
des Jahres 1362*), daß der reiche Simon von Miltenberg in dem 
Hause des Johann von Wetzlar im Fürstenberg wohne und den 

^) Diese Besitzer ergeben eich aus den Rechenbüchern und der Vergleichsurkunde 
zwischen dem Rat und dem Domkapitel. Während bis 1361 der Verkauf der Judenplätze 
nur spärlich erfolgte, nahm er in diesem Jahre einen reißenden Fortgang. Nach dem 
Rechenbuch 1361, foL IIa (Urkundenbuch S. 220ff.) und fol. 17b erhielt die Stadt für 
2 „Judenfleckin" von Johann Hochhus 324 U, von den Schuhmachern 160 U, von Johann 
V. Holzhausen 90 Mark, von Wernher Vechir 6 Mark. Der Gesamterlös betrug 1361 
,von Judenflecken und andern gefelle" 608^/2 U (Rechenbuch fol. 56b und 59b). 

2) Siehe Bawbuch de anno 1361; eine Reihe von Posten finden sich hier unter der 
Rubrik „den weg zu machene undern Juden". Die Kosten für die völlige Herstellung der 
Gasse beUefen sich auf 375V2 '^- Frankfurter Stadtarchiv E 17, Nr. 2. 

3) Siehe Bücher S. 549, TabeUe XXXV. Judensteuer 1360—1500. 

*) Bedebuch Oberstadt II, 22 (Urkundenbuch S. 291). Über das Haus Fürstenberg 
(Fürsteneck) siehe Battonn II, 65, und III, 215ff. 

Kracauer, Innere Geschichte der Juden Frankfurts. 2 



— 18 — 

Hauszins von 15 4 zahlte „von sins wegen", d, h. im Auftrag 
Johannes, des eigentlichen Hausbesitzers, und für das Jahr 1366 
verzeichnet das Bedebuch hinter dem Hause der Else zum Dryn- 
schenkele^) (Dreischenkel) „die Juden huser" ohne Angabe einer 
Bede, weil die Juden als Mieter davon befreit waren 2). Noch immer 
bevorzugen sie geistlichen Grund oder geistlichen Stiftern an- 
gehörende Häuser. So sitzen sie im Haus zum Katzenelnbogen, 
dem Eigentum des Katharinenklosters^), auch entrichteten ver- 
schiedenen Juden Zins an das Bartholomäusstift ^). Am Ende 
unseres Zeitabschnittes geben eine Anzahl Juden auch dem Arns- 
burger Kloster, in dessen geräumigem Hof sie wohnen, Bede, so 
Joseb von Miltenberg, die reiche Zorline mit ihren Verwandten 
und noch andere^). 

Im Laufe der Jahre, als die Verhältnisse für die Juden sicherer 
geworden waren, siedelten sie sich auch wieder auf städtischem 
Grund und Boden an, bauten daselbst Häuser und zahlten selbst- 
verständlich, wie die christlichen Hausbesitzer, den Zins dafür. 
Sie hatten dann auch das Recht, mit Bewilligung des Rates, der 
das Obereigentumsrecht behielt, die Häuser zu verkaufen, wie 
Isaak, der Sohn Kaimans, 1393 sein Haus Brückenau mit Hof, 
Garten und allem Zubehör für 550 Gulden an Konrad von Glauburg 
den Älteren und seine Frau Grede von Marburg verkauft. Der Rat 
bestätigte den Kaufbrief*'). 

Ebenso lernen wir in den Bedebüchern einzelne Juden als echte 
Hausbesitzer kennen, so den Iselin von Fulda^), Seligmann ^), Ber®), 
Joseb von Lechnitz^") und vielleicht noch andere ^^). 



^) Saalgasse 5 (Urkundenbuch S. 291. 

2) So wohnt Joseph von Kassel im Hause des Herrn Ortwin an der Ecke, Ysaak von 
Worms in dem des Bierbrauers Heinz, der Schulklopfer ist Mieter bei Klaus Noyde (Ur- 
kundenbuch S. 293), die Jüdin Kele Mieterin bei Johann Hering usw., usw. (siehe Ur- 
kundenbuch S. 294—296). 

^) Selmelin zahlt im Jahre 1378 an Bede 1 U für die Nonnen daselbst (Urkunden- 
buch S. 292). 

*) Selmelin zahlt 1378 für die Nonnen zu der pharre 15 aide h. (1. c); 1390 zahlt 
Mans für dieselben 5 Engeische (Bedebuch 59b), 1391 zahlt Gottschalk 31 ^ 5 h für 
paffen gulde (Bedebuch 17 b); 1392 gibt Liebermann gleichfalls für paffen gulde 15 ^ 
(Bedebuch, fol. 2b) usw. 

5) Siehe Bedebuch, 1391 im Urkundenbuch S. 296, 1392 im Urkundenbuch S. 296. 

«) Urkundenbuch Nr. 439, S. 203, cf. S. 204, Nr. 440. 

') 1385 zahlt SeUgmann von Lenich von IseUns Hause 5V2 Gulden und 12 alte Heller; 
Seligman wohnte also als Mieter bei diesem (Urkundenbuch S. 293). 

*) 1390 verbedet Seligman 2 ^ 40 heller „von sime huse" (Urkundenbuch S. 295). 

») 1391 zahlt Senderlin von dem Hause, das Bern ist, 18 4> 3 Hell.; dieser hatte es 
also an Senderlin vermietet. 

") 1396. Das Haus des Joseph von Lechenitz gibt an Zins 2 ^ 40 Heller. 

") Die Ansicht Bothes in seinem Werke: Die Entwicklung der direkten Besteuerung 
in der Reichstadt Frankfurt usw., S. 74: „In XIVten Jahrhundert sind sie (sc. die Juden) 
zeitweise ganz ohne Steuer geblieben. Die Stättigkeit galt als ihr Bede" (siehe auch An- 
merkung 4 1. c), scheint mir nicht ganz zuzutreffen. 



— 19 — 

Wenn wir zusammenfassen, was unsere Quellen über die Lage 
und den Umfang des damaligen Judenquartiers aussagen — es 
ist erheblich mehr, als für den ersten Zeitabschnitt — so kommen 
wir zu folgendem Ergebnis: 

Wie früher, waren auch jetzt die Juden gesetzlich nicht auf 
einen bestimmten Teil der Stadt beschränkt; sie durften überall 
wohnen, wenn sie auch aus leicht begreiflichen Gründen gern nahe 
bei einander saßen und die Gegend am Main bevorzugten. Bis in die 
achtziger Jahre des XIV. Jahrhunderts saßen die Juden besonders 
in der östlichen Saalgasse, ferner um den Lower (Löher)hof, später 
in ihm selbst und unweit des Komp(Färber)hauses, sodann im 
südöstlichen Teil der Fahrgasse. So lag das Haus „gegenüber 
Neu-Falkenstein", das ebenfalls ausdrücklich als Judenhaus auf- 
gezählt wird, Ecke Fahr- und Predigergasse ; ferner wohnten Juden 
gegenüber dem Hause Stolzenberg^), dann im Roseneck und im 
Rosenbusch, also in Häusern, die ihre alten Namen bis heute be- 
wahrt haben. Aber in den beiden letzten Jahrzehnten des Jahr- 
hunderts rücken sie immer weiter nach Osten ; sie beziehen, wie ich 
bereits früher erwähnte, den dem Domkapitel gehörenden Fronhof 
und den Arnsburger Hof. Beide Höfe waren wohl deshalb von den 
Juden gesucht, weil sie gewissermaßen kleine Festungen in der 
Stadt bildeten; durch Tore von ihr abgesperrt, boten sie in stür- 
mischen Zeiten besseren Schutz. Auffallend viele Juden siedeln sich 
im Beginn der neunziger Jahre im Fischerfeld an, 1391 nicht weniger 
als sieben, von denen aber nur zwei den Hauszins entrichten^). 

Einige Juden wohnten aber ganz entlegen. So erfahren wir 
von einem Seligmann, der in der Neustadt 2), und von einem Mose, 
der in der Niederstadt ^) am Goldnen Turm saß. 

Etwas näher zu seinen übrigen Glaubensgenossen wohnte 
Simon von Seligenstadt. Das Insatzbuch des Jahres 1361*) bemerkt 
von ihm, daß er zu Steinen- Wonnenberg gesessen sei, also in der 
Schnurgasse 43 (Ecke Kruggasse) 5). Auch Lersner«) und Battonn 
geben einige Angaben über Judenhäuser, die ich der Vollständig- 

1) Bedebuch 1391, fol. 65b bis 66a; Bedebuch 1392, fol. 60b und 61a. Leider 
sind die Listen für 1396—1399 unvollständig geführt, die für die Oberstadt 1400 fehlt 
ganz (siehe Urkundenbuch S. 296 ff.). 

2) Die Altstadt (antiquum oppidum) — also die Stadt bis zur zweiten Stadterweite- 
rung 1333 — zerfiel in den oberen und den unteren Teil. Der Straßenzug von der Lieb- 
frauenbirche über dem Römer bis zum Fahrtor bildete die Scheidungsünie. Auch die 
Neustadt zerfiel in 2 Teile, die durch die Straßen von der Eschersheimer bis zur Kathri- 
nenpforte von einander getrermt waren. Battonn I, S. 130. 

3) Bedebuch Niederstadt 1392, fol. 12b (Urkundenbuch S. 297). Der genannte 
Turm findet sich auf dem Belagerungsplan von 1552 hinter der Weißadlergasse, zwischen 
dem großen und dem kleinen Hirschgraben (Battonn I, S. 86). 

*) Urkundenbuch Nr. 183, S. 75. 
*) Siehe Battonn III, S. 40. 
«) Chronik II, 3, 8, 28. 



— 20 — 

keit wegen anführen will. So berichtet jener, daß Fifelin von Die- 
purg (Dieburg) 1375 im Hause zur Glocke, also auf der östlichen 
Seite der Fahrgasse ^) gewohnt habe. Battonn zählt außerdem noch 
als Judenhäuser auf: das Haus „Zum Segen Jakobs", das Eck 
an der Arnsburggasse^), das Haus zum Wolf, nach seinem Besitzer, 
dem Juden Wolf, genannt^), die Stadt Worms, früher zum Riesen, 
neben dem Brückhof*). All diese Häuser standen also auf der 
östlichen Seite der Fahrgasse, doch ist es zweifelhaft, ob sie schon 
in unserem Zeitraum von Juden bewohnt waren. 



Über das Äußere und das Innere der Judenhäuser haben wir 
weder Nachrichten, noch sind uns irgendwelche Reste, Möbel, 
Hausgeräte usw. erhalten, abgesehen von einigen Haushaltungs- 
gegenständen, die sich bei den Ausgrabungen von 1896 in dem 
Brandschutt einiger, vielleicht den Juden einst gehörender Häuser 
gefunden haben ^). Wir haben wohl anzunehmen, daß sich ihre 
Häuser und Hauseinrichtungen von den christlichen kaum unter- 
schieden. Im XIV. Jahrhundert aber glich das Frankfurter Bürger- 
haus äußerlich in den wesentlichsten Stücken den Bauernhäusern 
der Umgegend. Es war demnach ein Fachwerkbau, „bei dem die 
Kopfbänder und die schrägen Streben im Vergleich zu anderen 
Gegenden nur in verhältnismäßig beschränktem Maße verwandt wer- 
den, und dessen Charakter dadurch wesentlich bedingt wird, daß die 
Ecksäulen deutlich betont und vielfach auch dekorativ ausgestaltet 
sind, und daß die Gefache unter den Fensterbänken durch einfach 
oder oft auch durch paarweise gekreuzte Diagonalbalken über- 
spannt sind und so die Reihen unter den Fenstern durch ein reiches 
Zickzackmuster von braunen Holzbalken ausgefüllt sind"^). Die 
leeren Gefache zwischen den Säulen wurden durch Spränkelwerk') 
ausgefüllt. Ganze Fachwerkgeschosse hatten wohl die noch heute 
übliche Verschieferung. Die Dächer waren noch mit Stroh oder 
Schindeln gedeckt, einige vielleicht schon mit Schiefer. 

Die Häuser waren unterkellert, der Kellerboden bestand, 
wie Thomas bei den Häusern der nördlichsten Gasse feststellte, aus 
Mörtelestrich. 



^) Fahrgasse 12; siehe Battonn II, S. 53. 

*) L. c. S.48, von dem er bemerkt: „so 1356 ein Judenhaus war". Woher er dies hat, 
weiß ich nicht. 

') Fahrgasse 16. 

*) Nach Battonn II, S. 53, Fahrgasse 10. 

^) Siehe politische Geschichte der Juden, S. 42, Anm. 

•) Siehe Prof. Dr. Lauffer, Der volkstümüche Wohnbau im alten Frankfurt a. M., 
in Archiv für Frankfurter Geschichte und Kunst. 3. Folge, Band X, S. 244. 

^) Ein aus Staken und herumgebogenen Hölzern bestehendes Geflecht, das von 
innen und außen verputzt wird. Lauffer, 1. c. 

8) Lauffer L c, S. 262. 



— 21 — 

Der Grundriß war dadurch, mitbestimmt, daß die Häuser 
ihre Giebelseite der Straße zuwandten. 

An Steinbauten fehlte es nicht ganz in der Stadt, auch im 
Judenquartier werden zwei erwähnt, eins in der östlichen Fahrgasse 
bei der Arnsburger Gasse ^), ferner das des Joselin von Würzburg 2). 

Gremeindehäuser und Gemeindeliegenschaften. 

Außer den Privathäusern muß das Judenquartier inTallen 
Perioden seiner Entwicklung einige öffentliche Gebäude besessen 
haben. Für unseren Zeitraum sind wir allerdings nur spärlich mit 
Nachrichten darüber versehen. Das Wenige, das ich erforschen 
konnte, trage ich hier zusammen. 

Das hervorragendste Gebäude war die Synagoge, Judenschule, 
schola judeorum, auch wohl synagoga judeorum genannt. Beim 
Neubau des Stadtarchivs und bei Gelegenheit der Ausbesserungen 
am Dom ist manches Bruchstück der ältesten Synagoge zutage 
gefördert worden, so Teile eines romanischen Fensters, vor allem 
aber sind beim Ausschachten der Archivkeller die Fundamente 
bloßgelegt worden. Aus diesen Funden entnehmen wir, daß die 
Synagoge eine romanische Basilika mit runder Apsis für die 
Gesetzeslade, ähnlich der Wormser Synagoge, war'). Sonst wissen 
wir über ihren Grund- und Aufriß nichts. Analog anderen alten 
jüdischen Gotteshäusern wird sie in ihrem Innnern vier getrennte 
Räume gehabt haben, einen Vorraum, die mit zwei eigenen Portalen 
versehenen, von Säulen getragenen, für Männer und Frauen streng 
getrennten Beträume, den etwas erhöhten, auf Stufen ersteigbaren 
Almemor (Thoraraum), dessen Vorderwand die mit seidenen 
Vorhängen geschmückte schreinartige Nische mit den Gesetzes- 
rollen enthielt, sodann vielleicht auch, wie in Nürnberg, einen 
Lehr- und Rederaum, worin sowohl von einheimischen, als auch 
von auswärtigen, sich zeitweise in der Gemeinde aufhaltenden 
Gelehrten Vorträge gehalten wurden^). An die Synagoge stießen 
zwei zur beständigen Gesetzespflege bestimmte Bethäuser. In 
der ersten Frankfurter Judenschlacht (1249) wurden diese nebst der 
Synagoge bis auf den Grund zerstört^). 

Die wieder aufgebaute Synagoge — über ihr Äußeres sowie 
über die inneren Einrichtungen schweigen unsere Quellen gänz- 
lich — bestand nur 100 Jahre, dann wurde auch sie in der 



^) Battonn II, S. 48, domus lapidea judeorum. 
=') Siehe darüber Kriegk 1. c, S. 445, und S. 555, Anm. 248. 

^) Siehe Grotefend, Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertum, Bd. VI, 
S. 6166. 

*) Siehe Gengier S. 110. 

') Pohtische Geschichte der Frankfurter Juden S. 10. 



— 22 — 

zweiten Judenschlaclit (1349) völlig niedergebrannt i). Die dritte 
Synagoge ward wohl nach der Rückkehr der Juden auf derselben 
Stelle errichtet, wie die früheren. Über sie wissen wir gar nichts. 

Die Synagoge diente nicht nur zum Gottesdienst, hier wurden 
auch die vom Gericht den prozeßführenden Juden auferlegten 
Eide geleistet, hier verhängte der Rabbiner den Bann über straf- 
fällige Gemeindemitglieder, hier wurden wohl schon damals die 
Erlasse des Kaisers oder des Rates der Gemeinde bekannt gemacht. 
Hier wurden auch noch andere, mit dem religiösen Kultus in 
keinerlei Beziehung stehende Geschäfte erledigt 2). So wurden die 
mit den Steuern Rückständigen nach beendigtem Gottesdienst 
vom Rabbiner zur Zahlung aufgefordert usw.^). 

Um die Synagoge zog sich ein allseitig abgeschlossener oder viel- 
leicht ummauerter Schulhof ^) (scolhob). Vom Jahre 1316 ab war 
er wie die Synagoge längere Zeit von der jüdischen Gemeinde für ein 
Darlehen versetzt; der Schulhof war 1364 noch nicht ausgelöst^). 

In dem Bedebuch von 1390 wird das schalanthus erwähnt. 
Dieses war das Backhaus, in dem die Sabbatspeisen gewärmt 
wurden^). Solche Sabbatöfen befanden sich zweifellos in jeder 
Gemeinde'). 

Die Gemeinde besaß auch ein besonderes Badehäuschen, 
gewöhnlich Badestube genannt, da „die Juden sunderlichen unde 
mit keime cristen baden sollten"^). Es lag gegenüber der Juden- 
schule, „vermutlich war der östliche Teil der heutigen Schmidt- 
stube das Judenbad" ^). Ein christlicher Wärter saß darin. Nach 
der Rückkehr der Juden (1360) ward es von neuem erbaut und 
entrichtete dem Domkapitel einen Zins von 2 4>- Noch andere 



1) L. c, S. 40. 

2) Gengier S. 117. 

3) L. c. 

*) Urkundenbuch Nr. 43, S. 13, Nr. 141, S. 51, Nr. 191, S. 79 usw. 

^) Urkundenbuch Nr. 191, S. 79. Baerwald, Der alte Friedhof der israelitischen 
Gemeinde, S. 8ff. und S. 21. 

®) Urkundenbuch S. 294. Schalant stammt vom französischen chalant (Partiz. von 
chaloir). Or Sarua gibt es einfach als Übersetzung des hebräischen Chamim (gewärmte 
Speisen). Das Wort Schalant ist dem R. Isak Or Sarua, dem Lehrer des E. Meier von 
Rothenburg, in dieser Bedeutung ganz geläufig. Später wiu-de es zu Schalet verdorben. 
Vgl Zunz, Gottesdiensthche Vorträge, S. 456, Anm. 1. Ich verdanke diese Notiz wie 
noch manche andere meinem heben Freunde, Herrn Dr. Brann in Breslau, auch Herrn 
Bibüothekar Dr. Freimann bin ich für manche Am-egung zu Dank verpf hebtet. (Bothe, 
Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte usw., führt auf S. 165 und 172 für die Jahre 1694 
und 1703 einen Schaolsetzer an, also einen Aufseher der Öfen für die Sabbatspeisen.) 

') Über das Kölner Backhaus siehe unter domus pistorea bei Stern-Höniger, Das 
Judenschreinsbuch usw., S. 237. 

8) Gengier S. 101. Anm. 28. 

») Battonn IV, S. 30. Im Bedebuch 1346 (Urkundenbuch S. 290) kommt Meckele 
als Wärterin in der Juden badestobin vor. Bothe, 1. c, S. 74, hält sie mit Unrecht für 
einen Juden. 



— 23 — 

Zinsverpflichtungen ruhten von früheren Zeiten darauf, wie gegen 
Wigel Frosch und die Nonnen des Weißfrauenklosters. Das, was 
Thomas unter den von ihm bloßgelegten Fundamenten als das 
Judenbad vermutet (Situationsplan k), mag viel eher das Ritual- 
bad der Frauen gewesen sein. Es ist ein 5,61 qm fassender Raum 
mit unregelmäßig zu einander angelegten Hausfundamenten von 
außerordentlicher Tiefe (bis 4,60 m unter dem heutigen Niveau). 
Thomas meint, daß dieser Bau, bei dem eine 1896 noch vorhandene 
Schwellenrostfundierung festgestellt wurde, bis ins Grundwasser 
geführt haben muß, was für meine Ansicht spricht. 

Für Tänze, Hochzeiten, Spiele diente das Tanzhaus (domus 
choreorum judeorum) an der Judenschule. Das deutsche Ordens- 
haus war der Grundherr. Als es 1349 in Flammen aufging, überließ 
der Komtur des deutschen Ordenshauses die Hofstätte dem Dom- 
kapitel gegen eine jährliche Rente von 3 Mark Silber^). 

Battonn erwähnt noch das ,,Judenheckhaus"2) ^jg ^^Wein- 
und Wirtshaus der Juden", das anscheinend früher ein Backhaus 
gewesen war. Es befand sich der Synagoge gegenüber an der Schmidt- 
stube, der deutsche Orden war auch hier der Grundherr 2). 

Ob die Gemeinde schon damals, wie Dietz*) behauptet, ein 
Spital (Hekdesch) gehabt habe, lasse ich dahingestellt. Unsere 
Quellen schweigen hierüber. 

Als Gemeindehaus wurde vor 1288 ein von dem Juden Gott- 
schalk erworbenes Gebäude benutzt. Es stieß an die Synagoge an. 
Im Jahre 1288 verkaufte sie es an den Priester Heinrich von Rödel- 
heim^). Wo das spätere Gemeindehaus lag, ist nicht bekannt. 



Die größte Gemeindehegenschaft war der Friedhof^). Erwähnt 
wird er zuerst in einer Kauf Urkunde vom 3. September 1300'). 
Vor der zweiten Stadterweiterung lag er außerhalb der Stadt 8), 



1) Siehe Urkundenbuch Nr. 187, S. 77. In Köln spei(y)l hus genannt; siehe Stem- 
Hoeniger L c, S. 228. 

2) Battonn IV, S. 28. Hin und wieder wird Heckhaus mit Hekdesch (Spital) ver- 
wechselt, so von Dietz, Stammbuch der Frankfurter Juden, S. 435. 

^) L. c, nach dem Saalbuch der deutschen Ordenskommende. 

*) Stammbuch usw., 1. c. ; siehe auch Kjiegk, Frankfurter Bürgerzwiste und Zustände, 
S. 445. Nach Battonn IV, S. 28, war das Judenheckhaus die spätere Stadt Nürnberg 
Lit. M., Nr. 72, an der Schmidtstube. Dietz gibt für das Spital Lit. M. Nr. 50 an, jetzt 
Kleine Fischergasse 20 an. 

6) Urkundenbuch Nr. 15, S. 6. 

^) Über ihn Baerwald im Osterprogramm der Real- und Volksschule der israelitischen 
Gemeinde in Frankfurt a. M. 1883. 

') Siehe Urkundenbuch Nr. 24, S. 8. 

') Darum bezeichnet 1306 in einer Verkaufsurkunde der Frankfurter Bürger Ludwig 
von Löwenberg seinen Hof am Begräbnisplatz der Juden als vor der Stadt gelegen. Ur- 
kundenbuch Nr. 29, S. 9. 



— 24 — 

erst durch diese wurde er in sie einbezogen. Höfe und Gärten 
grenzten an ihn, so der Kustodiengarten des Bartholomäusstiftes ^). 
Wie aus einigen Stellen der Gerichtsbücher 2) hervorgeht, war ein 
Teil des Friedhofes, der viel zu groß für die Gemeinde war, als 
Garten angebaut. Schon frühzeitig war er wohl mit Mauern um- 
geben und stellte in Kriegszeiten eine Art von detachiertem Fort 
dar, später, nach der Stadterweiterung, war er eine Festung inner- 
halb der Stadt. Als diese 1349 einen Angriff von Karl IV. zu be- 
sorgen hatte, da sie sich für seinen Gegenkönig Günther von 
Schwarzburg erklärt hatte, traf sie besondere Verteidigungsmaßregeln 
und ließ 1 1 Erker um die Altstadt und den Judenkirchhof anbringen'). 

1377 berichtet das Rechenbuch von großen Bauten, „die man 
den Juden um ihren Judenkirchhof getan hat", doch erfahren 
wir nicht, von welcher Art diese waren. 

Als 1388 der große Städtekrieg tobte, in den Frankfurt als 
Mitglied des Rheinischen Städtebundes mitverwickelt war, rüstete 
sich der Rat für eine etwaige Belagerung durch die vereinte Adels- 
und Fürstenmacht. Auch der Friedhof ward in Verteidigungs- 
zustand gesetzt, der Rat ließ deshalb Holz in ihn hineinfahren*). 
Auch späterhin, zur Zeit des Schmalkaldischen und Dreißig- 
jährigen Krieges (1635), diente er zu Verteidigungszwecken und 
ward damals mit städtischen Söldnern besetzt. 

Ursprünglich war er volles, ausschließliches Eigentum der 
jüdischen Gemeinde^), die ihn vom Kaiser erworben hatte. Ebenso 
gehörten ihr die zwei darin stehenden Häuser, von denen das eine 
zur Waschung der Leichen bestimmt war. Das andere diente wohl 
als Aufenthalt für die zwei Wächter, die wir dort finden^). 

Als sich 1316 die Gemeinde in großer Geldnot befand, ent- 
schloß sie sich, „da diese Not und diese Schuld die Judengemeinde 
anging, sich auch mit ihrem Besitz daraus zu befreien*'. Deshalb 
versetzte sie den Friedhof nebst den dazu gehörenden Häusern 
und andere Gemeindeliegenschaften an Wigand von Kolnhausen 
und seine Frau Kuntzela gegen ein Darlehen von ca. 330 Köln. 
Mark'). 

1) Siehe Battorm V, S. 317. 

2) Siehe Gerichtsbuch 1394, Fol. 41: Hans Rumpenheimer hat erfolgt uff hern Gipel 
zum Ebir . . . von des gartten wegin uff dem judden kirchofe. 

3) Rechenbuch 1349 vom 21. Juni (Fol. 33 a). (Urkundenbuch S. 216.) 

«) Rechenbuch 1388, fol. 59 (unter Ausgaben) (Urkundenbuch S. 268): 4 iif h. von 
holtze in dem buchwalde in der Juden kirchhoff zu füren. 

') Siehe Baerwald, 1, c, S. 7. 

^) Siehe Rechenbuch 1366 (Urkundenbuch S. 227). Ausgaben: Die nuwen wechter: 
Hennen Flörsheim vnd Henne von Geilnhusen in dem judin kirchoffe 2 mark. Der 
Posten kehrt oft wieder. 

') Die näheren Einzelheiten der Schuldurkimde, die Bestimmung über die Zinsen- 
zahlung und den Rückkauf der Rente siehe Baerwald, 1. c, S. 8. Politische Geschichte 
der Juden S. 21 und 22. 



— 25 — 

Zwanzig Jahre später ist Heinrich Schrenk von Gerlaclisheim im 
Besitz einer ewigen Rente von 50 Pfund Heller auf den erwähnten 
Grundstücken. Die Gemeinde muß demnach innerhalb der fest- 
gesetzten Zeit die Rente zurückgekauft haben gegen eine ewige, 
bei der naturgemäß der Zinsfuß ein geringerer, nämlich nur 5%, 
war, Schrenk verkaufte die Rente wieder für 1000 Pfund Heller 
an den Aschaffenburger Schöffen Johann Schwabe und an den 
Frankfurter Heinrich von Holzhausen ^). 

In späterer Zeit findet sich die Rente in verschiedene Teile 
geteilt. Wir hören, daß 16 Mark der Rente im Besitz einer Gan- 
erbschaft ist, zu der der Knappe Herdan von Alpach gehörte. 

Getreu ihrer Politik, möglichst alle Grundrechte auf ihrem 
Territorium abzulösen, suchte die Stadt auch diese Renten an 
sich zu bringen. Im Jahre 1363 hatte sie davon schon 12 Mark 
erworben^). Vom September 1374 bis April 1375 war sie besonders 
erfolgreich mit ihren Bemühungen. Zuerst entsagt Herdan von 
Alpach seinen Ansprüchen auf die Judenschule und den Juden- 
kirchhof. Der Burggraf Eberhard Weise von Friedberg als Schieds- 
richter setzte die Entschädigung auf 20 Gulden fest^). 

Im Januar 1375 tritt ihr Werner von Echzell und im Februar 
Agnes Weise je ein Sechstel und ein Achtzehntel ihres Anteils an 
der Judenschule und dem Judenfriedhof gegen 26 Gulden 16 Schill, 
ab, im April Herdan von Buches ein Sechstel der erwähnten Grund- 
stücke gegen 20 Gulden, und so wird die Stadt sich allmählich in 
den Besitz des Friedhofes gesetzt haben*). 

Auf dem Friedhof wurden nicht nur die eingesessenen Juden, 
sondern auch die der Umgebung Frankfurts und fremde Juden 
gegen Entrichtung einer Summe ans Ärar bestattet. Der älteste 
Grabstein ist vom Monat Aw 5032 der jüdischen Zeitrechnung, also 
vom Juli 1272 datiert. Einige Forscher, so Baerwald^), bezweifeln, 
ob es überhaupt der älteste jüdische Grabstein in Frankfurt sei, 
da es immerhin möglich, ja wahrscheinlich sei, daß es in den ältesten 
Zeiten der jüdischen Ansiedlung in Frankfurt innerhalb des Juden- 
qnartiers auch einen jüdischen Friedhof gegeben habe. Er stützt 
sich dabei auf Schudt®), der den Friedhof auf dem Garküchenplatz 
annimmt, und auf Kirchner'), der ihn auf die Stelle der heutigen 



1) Urkundenbuch Nr. 58, S. 17. 

2) Baerwald, 1. c, S. 9. 

3) Siehe Urkundenbuch Nr. 192, S. 79, und Nr. 193. 

*) Rechenbuch 1374, fol. 57b, 58a und 60b, in Urkundenbuch S. 243. Von den 
Kaufbriefen, auf die das Rechenbuch Bezug nimmt, ist nur noch der letzte erhalten 
(Frankfurter Stadtarchiv, Rachtungen 778 vom 5ten April 1375). 

5) Baerwald, 1. c.,S. 4. 

«) Jüdische Merkwürdigkeiten II, Buch VI, Kap. 38, S. 362. 

'') Jüdische Merkwürdigkeiten I, S. 199, Anm. 8. 



26 



Mehl wage versetzt. Doch schon Battonn i), noch mehr aber 

Kriegk^), haben das Irrtümliche dieser Ansicht nachgewiesen, 

und die von Baerwald angeführten Gegengründe sind nicht stich- 
haltig genug. 



II. Handel der Frankfurter Juden bis zum Ende 
des XIV. Jahrhunderts. 

Das frühe Mittelalter lehrt uns den Juden vorwiegend als 
Kaufmann, und zwar als Großhändler, kennen. Während die 
Syrer den Handel im Abendlande bis ins VI. Jahrhundert be- 
herrscht hatten, fiel dieser seit dem VII. Jahrhundert fast ohne 
Mitbewerber — die Friesen ausgenommen, die aber nur auf einem 
räumlich beschränkten Gebiete tätig waren — den Juden zu. 
Das weit ausgedehnte, sich vielfach verzweigende Netz ihrer ge- 
schäftlichen Verbindungen, ihre Kenntnis der Waren und Produkte, 
die Vertrautheit mit den kaufmännischen Gewohnheiten, die sie 
im Laufe der Zeit erworben hatten, und nicht zuletzt ihr Besitz an 
größeren Barmitteln befähigte sie in erster Reihe dazu, ein wichtiges 
und zunächst unentbehrliches Glied im wirtschaftlichen Leben der 
Völker zu werden^). Vor allem waren die vielbegehrten Gewürze, 
besonders Pfeffer, und die kunstgewerblichen Erzeugnisse des 
Orients nur durch sie zu erlangen. Wie sie als Exporteure und 
Importeure die ganze damals bekannte Welt durchzogen und das 
westliche Europa mit Asien kommerziell verknüpften, zeigt uns 
am deutlichsten der Bericht des arabischen Oberpostmeisters 
Ibn Kordadbek aus den Jahren 854 — 874, der uns auch mit den 
Handelswegen bekannt macht, auf denen damals die beiden Erd- 
teile ihre Güter miteinander austauschten*). 

Für die spätere Zeit bis etwa in die Mitte des XIII. Jahrhunderts 
stehen uns zur Würdigung der Handelstätigkeit der Juden die 
jüdischen Responsenwerke^) zur Verfügung, die für unsere Zwecke 



1) Jüdische Merkwürdigkeiten V, S. 318. 

2) Frankfurter Bürgerzwiste im Mittelalter S. 443. 

^) Siehe R. Hoeniger, Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühen Mittelalter, 
in Geigers Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, 1887, S. 90. 

*) Siehe Schipper, Anfänge des Kapitalismus bei den abendländischen Juden im 
frühen Mittelalter in der Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung 
1906, S. 515. Weitere Ausführungen über diesen Gegenstand in Caros Sozial- und Wirt- 
Bchaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und der Neuzeit, Band 1. 

^) Sie enthalten Sammlungen von schwierigen FäUen, die berühmten Gelehrten 
im Bereiche der Halacha vorgelegt und von ihnen beantwortet wurden. 



— 27 — 

erst kürzlich erschlossen worden sind^). Wir erfahren durch 
sie, daß jüdische Kaufleute, in Gesellschaften vereinigt, durch 
Rußland ziehen, um daselbst schon im voraus die ganze Pro- 
duktion an Kleidern, besonders an Mänteln, aufzukaufen, daß 
sie aus den entferntesten ungarischen Orten Waren nach Mainz 
exportieren 2), daß sie mit Gold und Edelsteinen^), mit Fellen und 
Handschuhen, mit Wein und Getreide, mit Pferden usw. handeln. 
Ihnen gehören Schiffe, die gesalzene Fische vom Orte des Fanges 
nach den Küstenstädten bringen*), wie sie überhaupt am See- 
verkehr stark beteiligt sind. Sie sind stetige Besucher der Messen, 
besonders der zu Köln, zu Mainz und zu Frankfurt. 

Daß gerade Frankfurts Messen von der zweiten Hälfte des 
XII. Jahrhunderts an von den Juden eifrig besucht wurden, 
hatte nicht zum wenigsten seinen Grund darin, daß Kaiser Hein- 
rich IV. die Juden von Worms, die ihn offenbar in seinen schweren 
Kämpfen finanziell unterstützt hatten, „sowie die übrigen Worm- 
sern" an der königlichen Zollstätte zu Frankfurt, ebenso an anderen, 
von jeder Zollabgabe befreit hatte ^). Hier konnten die Juden den 
Überfluß der Ernte an Wein, Flachs, Getreide und sonstige land- 
wirtschaftliche Erzeugnisse gegen ihre Waren eintauschen^). 

So war der Jude in Deutschland bis tief ins Mittelalter in erster 
Reihe Kaufmann. Jude, mercator, negociator wurden als gleichbedeu- 
tend gebraucht und auf eine Stufe gestellt, wie aus zahlreichen Urkun- 
den hervorgeht'). Ebenso spricht sich R. Elieser b. Natan aus Mainz 
(c. 1150) aus: . . . ,,Der Handel dient zu unserm Lebensunterhalt"^). 

Bis ins XIII. Jahrhundert hinein behaupteten die Juden 
ihre herrschende Stellung im Großhandel, dank den Privilegien, 
die ihnen von Kaisern^) und Bischöfen — ich erinnere nur an das 

^) Durch Moses Hoffmann in seinem Werk, Der Geldhandel der deutschen Juden 
während des Mittelalters bis zum Jahre 1350, das auch die Beteihgung der Juden am 
Handel berührt. (Staats- und sozialwissenschaftliche Forschungen von G. Schmoller und 
M. Sering, 1910, Heft 152.) 

2) Hoffmann 1. c, S. 11 und 155. 

3) L. c. Nr. 159, S. 201. 
*) L. c. Nr. 158, S. 199. 

^) ... Teloneum siquidem, quod teutonica lingua interpretatum est zol, quod in omnibus 
locis regiae potestati assignatis, videlicet Franchenevurt . . . Judei et coeteri Uormatienses 
praetereuntes debiti erant, ne ulterius solvant, remisimus. Die Urkunde ist ausgestellt 
Worms 1074, Januar 18. Siehe auch Boos, Urkundenbuch der Stadt Worms I, S. 47. 

®) Siehe Frankfurter Handelsgeschichte von Alex. Dietz, S. 22. 

') Siehe Aronius, Regesten zur Geschichte der Juden, Nr. 122, S. 52, Nr. 168, S. 69. 

8) Hoff mann 1. c, Nr. 47, S. 160. 

') Siehe Aronius 1. c, Nr. 170, S. 71, Absatz 4, wo es heißt, den genannten Juden 
ist gestattet, intra ambitum regni nostri (sc. Heinrichs IV.) übere et pacifice discurrere, 
negocium et mercimonium suum exercere, emere et vendere et nullus ab eis thelonium 
exigat vel privatam repetat; ferner das Privileg Kaiser Heinrichs an die Wormser Juden 
vom Jahre 1090 1. c, Nr. 191, S. 74; das Privileg Heinrichs V. vom Jahre 1102 1. c, Nr. 215, 
S. 99, das Privileg Friedrichs I. für die Wormser Juden vom Jahre 1157 1. c, Nr. 280, 
S. 123; das Privileg vom Jahre 1182 für die Regensburger Juden, Nr. 315, S. 139. 



— 28 — 

vielerörterte Privileg des Bischofs Rüdiger von Speyer vom Jahre 
1084 — gewährt wurden. 

Im Laufe des XIV. Jahrhunderts hat sich ein völliger Wandel 
in der Handelstätigkeit der Juden vollzogen. Wir stehen hier vor 
einem Rätsel, Eine schier unabsehbare Anzahl von Urkunden 
haben wir für diese Zeit über das geschäftliche Treiben der Juden, 
sie betreffen mit wenigen Ausnahmen nur das Geld- und Pfand- 
gewerbe, aber nicht den Warengroßhandel. Nirgends mehr sehen 
wir wie früher die Juden von Ort zu Ort reisen, um neue Handels- 
beziehungen anzuknüpfen, ihre Waren abzusetzen oder frische 
einzukaufen. Ihr Großhandel hat völlig aufgehört, und auch der 
etwa ihnen noch gelassene Handel reicht an Ausdehnung und 
Bedeutung nicht im entferntesten an den früheren heran. 

Wie ist dies zu erklären? Wir werden doch nicht etwa an- 
nehmen, daß die Juden wie auf Verabredung freiwillig den Einfluß 
und Ansehen verschaffenden Groß- und Mittelhandel aufgegeben, 
auf ihre Stellung als mercatores et negotiatores verzichtet und sich 
auf das viel weniger geachtete Leih- und Pfandgeschäft mit seinen 
die Sittlichkeit gefährdenden Folgen beschränkt hätten! Wir sind 
also zu dem Schluß gezwungen, daß den Juden im Verlaufe des 
XIV. Jahrhunderts die Kaufmannschaft immer mehr eingeengt und 
schließlich untersagt worden war. Für Nürnberg und Oldenburg^) 
können wir derartige Verbote urkundlich nachweisen. 

Nur ein Gebiet sollte den Juden ausschließlich vorbehalten 
bleiben: das wucherische Darlehen, d. h. das Darlehen auf Zins, 
und der Verkauf der aus dem Leihgewerbe stammenden Pfänder, 
woraus sich der Trödelhandel entwickelte, eine niedrige Abart 
des kaufmännischen Berufes. 

Was trug nun schuld an diesem Umschwung ? 

Das Aufblühen des Städtewesens, das Erwachen eines na- 
tionalen Bürger- und Kaufmannstandes hat diesen verhängnis- 
vollen Wandel der Verhältnisse für die Juden Deutschlands herbei- 
geführt. Der allmählich sich heranbildende einheimische Kauf- 
mannstand emanzipierte sich von seinem bisherigen Vormund, 
dem jüdischen 2). 

Noch harrt die Geschichte dieses tragischen Kampfes, der sich 
jahrhundertelang hinzog, ihres Bearbeiters. Wieviel Bausteine auch 
Röscher, Hoeniger, Schulte^) und andere dazu beigetragen haben, 

^) In Oldenburg das Verbot vom Jahre 1369, die Juden sollten sich keinerlei kopen- 
schup ernern, siehe Stobbe, Geschichte der Juden im Mittelalter, Nr. 92, S. 232. Für Nürn- 
berg siehe am Schluß des Kapitels. 

2) Schipper, L c, S. 523. 

3) Schulte, Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen West- 
deutschland und Italien usw., besonders Band I, S. 152ff. Caros Arbeit geht nur bis in 
den Anfang des XIII. Jahrhunderts. 



— 29 — 

es klaffen noch viele Lücken. Eine Reihe örtlich beschränkter 
Spezialuntersuchungen werden uns möglicherweise größere Einsicht 
in diese hochwichtige Frage verschaffen. 

Der Ausgang des Kampfes, von dem wir nur einzelne Stadien 
kennen, war für die Juden verhängnisvoll. Die sich in Innungen und 
Gilden zusammenfassenden gewerblichen und kaufmännischen 
Kreise der städtischen Bevölkerung schlössen sie von ihren Genossen- 
schaften aus und suchten die unbequemen und gefährlichen Mit- 
bewerber aus dem Gebiete des Handels völlig herauszudrängen^). 

Daß die Juden durch diese Einschnürung moralisch und sozial 
herabsinken mußten, ist selbstverständlich 2). 

Inwieweit trifft nun diese Entwicklung, die sich in allen deut- 
schen Gegenden, in der einen früher, in der anderen später, vollzog, 
auch für die Juden in Frankfurt zu ? 

Wir wissen, daß diese Stadt schon seit der Mitte des XII. Jahr- 
hunderts ständig von Juden bewohnt war^), und daß zu den Meß- 
Zeiten viele Juden, besonders vom Rhein (Worms), dorthin strömten, 
wir sind also zu der Ansicht berechtigt, daß die Frankfurter Juden, 
wie ihre damaligen Glaubensgenossen überhaupt, sich am Waren- 
handel beteiligt hatten, wenn auch direkte Nachrichten hierüber 
fehlen. Erst sehr spät, seit der Mitte der Regierung Ludwigs des 
Bayern, beginnen einigermaßen zusammenhängende Aufzeichnungen 
über die Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Juden, also erst 
zu einer Zeit, wo gerade die Gewerbetätigkeit und der Handel der 
Stadt einen glänzenden Aufschwung nahmen, der unter dem Nach- 
folger Ludwigs, unter Kaiser Karl IV., sich noch gewaltig steigerte*). 
Man durchblättere nur einmal die Liste der christlichen Gewerbe- 
treibenden und Handelsleute jener Zeit, die Dietz in seinem Werke 
„Frankfurter Handelsgeschichte" über die verschiedenen Handels- 
zweige, die Steuern und das Vermögen der Frankfurter Bürger für 
das XIV. Jahrhundert^) und für noch frühere Zeiten zusammen- 
gestellt hat! Eine stattliche Anzahl von Händlern mit Wolle 
und Tuch, mit Eisen, Kupfer und Edelmetall, mit Leinwand, 
Rauchwerk, Farbstoff, mit Hafer und sonstiger Frucht, mit 
Honig und Wein, mit Spezereien, mit Fischen, mit Holz usw. 

^) Inwieweit Schultes Ansicht berechtigt ist, daß sich diese Entwicklung nicht ganz 
ohne Schuld der Juden vollzogen habe, da sie verabsäumt hatten, zum Handwerk in das 
Verhältnis zu treten, wie der christhche Kaufmann, der entweder selbst Produzent war 
oder die Handelsware bei dem ihm bekannten Handwerker bestellte und so in steter 
Fühlung mit ihm war, während der Jude zu seinem Unheü diesem fremd bUeb, lasse 
ich dahingestellt. 

2) Siehe hierüber auch Güdemarm, Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur 
■der Juden in Frankreich und Deutschland, Band I, S. 129. 

^) Siehe politische Geschichte der Frankfurter Juden, S. 4—5. 

*) Näheres hierüber bei Dietz, Frankfurter Handelsgeschichte, S. 141, 142, 147. 

^) Von S. 144 ab. 



— 30 — 

treten uns da entgegen. Wo blieb da noch viel Kaum für den 
Handel der Juden ? Wenn wir das uns überlieferte Material noch 
so eingehend prüfen, finden wir doch keine Notiz, die uns damals 
die Frankfurter Juden als Großhändler und Kaufleute im höheren 
Sinne des Wortes zeigt. Die Tage des Großhandels waren auch für 
die Frankfurter Juden vorüber^), der Handelsneid der christlichen 
Mitbewerber hatte sie gänzlich daraus verdrängt. Und so brauchen 
wir uns nicht zu wundern, daß die Frankfurter Judenstättigkeiten, 
die uns belehren, unter welchen Bedingungen die Juden in die Stadt 
aufgenommen wurden und was sie daselbst tun und treiben durften, 
sie nur als Geldleiher und Pfandinhaber, aber nicht als Handels- 
leute kennen. Wo aber den Frankfurter Juden der Handel in 
gewissen Artikeln gestattet war, haben wir uns stets zu vergegen- 
wärtigen, daß es sich hierbei in erster Reihe um verfallene Pfänder 
handelt. Auch da, wo sie Waren in größerer Menge absetzen dürfen, 
wie bei Tuch und Spezereien, ist nicht im entferntesten etwa an 
eigentlichen Großhandel zu denken 2), 

Möglich ist freilich, daß die Juden sich in den Besitz von 
Gütern (Wein, Tuch, Getreide usw.) auch durch Kauf bei ein- 
heimischen oder auswärtigen Meßhändlern setzten. In welchem 
Umfang aber dies geschah, und ob sie auch außerhalb der Meß- 
zeiten Ware erhandeln durften, um ihr Lager zu vergrößern, ist 
fraglich. 

Über die Handelszweige, mit denen sich die Frankfurter Juden 
im Verlaufe des XIV. Jahrhunderts befaßten, geben uns vor allem 
die Gerichtsbücher, diese für die Wirtschaftsgeschichte der Frank- 
furter Juden so wichtige Quelle, Auskunft. 

Zunächst kommt der PferdehandeP) in Betracht. Er ward den 
Frankfurter Juden förmlich aufgezwungen. Die zahlreichen Ritter 
der näheren oder weiteren Umgebung der Stadt, die bei ihnen Geld 
entliehen, hatten als Faustpfand außer dem Panzer und etwaigen 
Schmuckgegenständen nur ihre Pferde zu bieten. 

Schon ein flüchtiger Blick in. die Gerichtsbücher zeigt uns, wie 
häufig dies geschah. Da das Einlösen der Pfänder nur zu oft unter- 
blieb, geriet mancher Jude in den Besitz einer großen Anzahl von 
Pferden und wurde so Pferdehändler. Gleich eine der ältesten 
Judenurkunden führt uns als solchen Salman vor, der in geschäft- 
lichen Verbindungen mit dem Grafen Johann von Ziegenhain steht*). 

^) Näheres hierüber weiter unten. 

2) Siehe Bücher S. 573. 

^) Siehe Dietz, Geschichte des Frankfurter .Pferdemarktes, S. 71. Über jüdische 
Roßkämme im XVII. Jahrhundert in Frankfurt siehe meine Arbeit: Beiträge zur Ge- 
schichte der Frankfurter Juden im 30 jährigen Krii^ge in Geigers Zeitschrift für die Ge- 
schichte der Juden in Deutschland, Band III. 

*) Siehe Urkundenbuch ^r. 44, S. 13. 



— 31 — 

Daß Christen ihren Bedarf an Pferden oft bei Juden decken, ersehen 
wir auch aus verschiedenen Stellen der Gerichtsbücher ^). 

Erst im XVI, Jahrhundert reißt sich der Pferdehandel vom 
Leihgeschäft los und es bildet sich der besondere Stand der jüdischen 
Roßtäuscher. Die beiden Messen boten ihnen Gelegenheit zum vor- 
teilhaften Ein- und Verkauf der Pferde. 

Auch der Handel mit Saatkorn und Getreide, von hoher Be- 
deutung für eine mittelalterliche Stadt, in der wie in Frankfurt ein 
großer Teil der Bevölkerung von der Bodenbestellung lebte, wurde 
damals, wenn auch in bescheidenem Maße, von Frankfurter Juden 
betrieben. Auf zweierlei Weise konnten sie in den Besitz von Ge- 
treide gelangen, wenn wir von den Meßgelegenheiten absehen. Zu- 
nächst, wenn ihnen solches als Pfand gegeben und nicht eingelöst 
ward, ferner, wenn ihnen bei Zahlungsunfähigkeit des Schuldners 
Ackergelände zugesprochen wurde, sie durften dieses dann bestellen 
lassen und die Ernte fiel ihnen zu. Denn die Bestimmung, daß sie 
versetzte Grundstücke nach Jahr und Tag zu veräußern hätten, 
stammt erst aus dem Anfang des XV. Jahrhunderts^). So sammelte 
sich bei manchem Juden ein mehr oder minder großer Vorrat an 
Getreide, mit dem er Handel treiben konnte^). 

Diese Art von Geschäften boten dem Juden auch ein Mittel, sich 
dem Trödelhandel zu entwinden und sich dem eigentlichen Handel 
wieder zu nähern. So verstehen wir auch, daß der Jude sein Lager 
zu vergrößern suchte, und zwar auf folgende Weise. Er verlangte, 
wie aus einer Anzahl von Urkunden hervorgeht, von seinen Ge- 
treideschuldnern die Rückzahlung der Schuld nebst Zins nicht in 
Geld, sondern wieder in Getreide. Oft handelt es sich dabei um nicht 
unbedeutende Posten, wie um 42 V2 Achtel Weizen^) oder um 30 Mal- 
ter Weizen^), 64 Achtel Korn®) usw. 

') Siehe Urkundenbuch S. 425, 500, 750, Anm. 1. Daß der Schreiner (kistener) 
Salman auch mit Pferden handelt, ist keineswegs auffallend. Den Handwerkern war 
neben ihrem eigentlichen Gewerbebetrieb der Handel keineswegs verboten; Pelzhändler, 
Wollweber und Metzger exportierten damals auch Wein. Siehe Dietz, 1. c. 

-) Erst die sog. Stättigkeit von 1424 gebot den Juden den sofortigen Verkauf des 
ihnen überwiesenen Besitzes an Christen. Siehe Bücher, Die Bevölkerung Frankfurts, 
S. 573, Anm. 2. 

^) Für den reinen Getreidehandel folgende Belege: Hennechin Walter versetzt dem 
Juden Mennechin all sein Gut für 30 Achtel Getreide — halb Korn, halb Weizen — , 
die er ihm in der Alten Messe zurückzugeben verspricht. Auch noch andere Christen 
werden in den Gerichtsbüchern erwähnt, die bei ihm Getreide entleihen. Ferner, dem 
Juden Kirson schulden der Schulze Gotzo von Eckenheim, Johann von Massenheim, 
ferner Henkln verschiedene Achtel Weizen; dem Morse (Mose) ist Fulgwin 7 Achtel 
und 1 Simmer Getreide schuldig, Jakob hat von Heil Monich 5V2 Achtel Weizen zu 
fordern usw. Fast darf man die beiden erstgenannten Juden als Getreidehändler be- 
trachten. 

*) Siehe Urkundenbuch S. 369, 426, 427. 

5) L. c. S. 377. 

«) L. c. S. 554, 557, 710; siehe auch S. 340, 349, 365, 367, 369, 382 usw. 



— 32 — 

Ein weiterer Handelsartikel der Frankfurter Juden war der 
Wein. 

Aus den Insatzbüchern ersehen wir, daß den Juden öfters auch 
Weingelände verpfändet wurden. Auch diese, wie die Äcker, sobald 
sie ihnen durch richterliches Urteil zuerkannt worden waren, durf- 
ten sie bestellen oder, was wohl wahrscheinlicher war, bestellen las- 
sen, und der Ertrag gehörte ihnen. Schon allein für Kultuszwecke 
bedurften sie Wein, und zwar solchen, der den mosaischen Vor- 
schriften entsprach^), den sog. ,, Judenwein", der aber im Gegensatz 
zum Trinkwein steuerfrei war 2). 

Aber diese aus eigenen Weinbergen geerntete Weinmenge wollte 
wohl nicht viel besagen gegen diejenige, die in den Besitz des Juden, 
teils als verfallenes Pfandobjekt, teils durch Arrestbelegung auf die 
Weinvorräte eines zahlungsunfähigen Schuldners gelangten^). In 
manchen Fällen handelte es sich dabei um große Mengen; so wenn 
Joseph von Miltenberg wegen einer Forderung von 1200 Gulden 
Arrest auf verschiedene Weinlager in Frankfurt legt'*). 

Auf diese Weise kam mancher Jude zu ansehnlichen Wein- 
vorräten. Einen Teil davon setzte er wohl direkt an Käufer ab^), 
aber in vielen Fällen lieh er Wein auch gegen Geld aus. So lautet 
der Schuldbrief Hartmud Geltmars, Folkers und anderer über 
15 Gulden und 2V2 Ohm Wein (gutes, lutirn gemeynen wins Franckin- 
furter maszis)^) ; Fritz vom Falltor, seine Frau und eine Anzahl Hoch- 
städter schulden dem Seligmann von Linnich 14 gute, schwere 
Gulden und 4 Ohm guten, lautern Weines'). Heile Hut und seine 
Frau Else nehmen ein Darlehen von dem Juden Liebmann auf 
ebenfalls in Höhe von 14 Gulden und 4 Ohm Wein^). Zahlreiche 
andere Fälle finden wir in den Gerichtsbüchern der verschiedenen 
Jahre 9). 

Bei der Zurückzahlung des entliehenen Weines war es für den 
jüdischen Gläubiger fast noch wichtiger als bei Getreidedarlehen, 
daß die Schuld nebst Zinsen in natura bezahlt werden sollte. Denn 
der Wein war nicht nur ein guter Verkaufs-, sondern auch ein wert- 



1) Siehe 3. Buch Moses, Kap. XIX, Vers 23. 

') Die Trinkweinsteuer tritt in den Rechenbüchern zuerst 1394 auf (Urkundenbuch 
S. 278), einzehie Juden (Joseph von Erkelenz und Wolf von Seligenstedt) zahlen den hohen 
Betrag von 5 Gulden. 

3) Urkundenbuch S. 394, 596, 689, 691. 

«) L. c. S. 228. 

s) L. c. S. 522, 741. 

8) Urkundenbuch Nr. 286, S. 113, vom 13. Januar 1380. 

7) L. c. Nr. 318, S. 126. 

8) L. c. Nr. 455, S. 208 u. 209. 

») Siehe Urkundenbuch S. 462, 471, 488, 602, 709, 711, 726, 744, 796 usw. Welche 
Rolle damals der Handel mit Wein in Frankfurt einnahm, siehe Dietz, S. 65; Kriegk, 
Deutsches Bürgertum, S. 316ff.; Bücher, 1. c, S. 216; Böhmer-Lau II, S. 541. 



— 33 — 

voller Spekulationsartikel. Gar mancher Frankfurter war durch 
den Gewinn, den der Handel mit Wein abwarf, zu einem reichen Manne 
geworden^). Besonders zu Meßzeiten war bei günstiger Marktlage 
ein großer Gewinn damit zu erzielen. Also auch hier das Bestreben, 
sich vom Trödel zum Handelsgeschäft aufzuschwingen. 

Ob sich damals noch die Frankfurter Juden am Export des 
heimischen und vorzüglich des elsässischen Weines, der zu Schiff 
von Straßburg nach Frankfurt kam^), beteiligten — aus Hoffmanns 
öfters zitiertem Werke wissen wir, wie stark die Juden im früheren 
Mittelalter noch bis ins XIII. Jahrhundert hinein am Weinexport 
interessiert waren — lasse ich bei dem Fehlen von Nachrichten 
darüber dahingestellt^). 

Außer den bereits erwähnten Handelszweigen kommt auch der 
Tuchhandel der Frankfurter Juden in Betracht. Frankfurter Tuche 
waren am Ende des Mittelalters stark verlangte Ware, die tief nach 
Polen, Ungarn, Italien ausgeführt wurde*). Tuche waren nach Aus- 
weis der Gerichtsbücher die Hauptpfandobjekte ^). Man sehe nur, 
was Richard von Winden seinen Gläubigern alles als Pfand gibt! 
Dem Mose von Miltenberg 2 Mechelnsche Tuche für ein Darlehen 
von 60 Gulden, dem Vater des Mose Löwensche und Diemsche Tuche 
für ein Darlehen von 120 Gulden. Dem Liebermann von Linnich 
hat derselbe Richard von Winden 10 Mechelnsche Tuche, jedes im 
Werte von 20 Gulden, dem Süßkind von Weinheim gar 20 Tuche 
zur Sicherheit gegeben^). Hier und auch sonst') handelt es sich unj 
große Tuchposten. 

Die Frankfurter Juden nahmen Tuche äußerst gern als Pfän- 
der, denn wenn sie auch in gewöhnlichen Zeiten nicht viel Gelegen- 
heit hatten, sie vorteilhaft zu veräußern, so doch zur Zeit der beiden 
Messen, „in der messe fryheit, so aller menniglichen erlaubt ist zu 
kauffen und zu verkauffen". Noch besaßen sie im XIV. Jahrhundert 
das Recht, wie sie auch in einer Eingabe aus viel späterer Zeit an 
den Rat hervorheben^), das Gewand während der Messe mit der Elle 
zu messen und zu verkaufen. In späterer Zeit durften sie das Tuch 



^) Dietz (Frankfurter Handel, S. 165) nennt an erster Stelle Bruno von Braunfels, 
«den Erbauer des Braunfels, „eines Wahrzeichens vergangener HandelsherrHchkeit". 
Auch in unserem Urkundenbuch wird er öfters erwähnt. 

2) Dietz, 1. c. 

^) Doch siehe hierüber Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittel- 
alter, S. 75 ff. u. S. 133. 

*) Über den Frankfurter Tuchhandel siehe Dietz, Frankfurter Handel, S. 155, 
175/76, 179 und Dietz, 1. c. 

S) Siehe Urkundenbuch S. 186, 343, 355, 358, 365, 366, 367, 407, 427, 483, 494, 
510, 531, 536, 541, 542, 544, 548, 602, 607, 729, 768, 773, 789, 750, SSOff. 

«) Siehe Urkundenbuch S. 186, Nr. 404. 

'') So auf S. 367 des Urkundenbuches. 

^) Siehe Bücher, 1. c, S. 584 und Anm. 1. 

Kracauer, Innere Geschichte der Juden Frankfurts. 3 



— 34 — 

nur in ganzen, halben oder Viertel-Stücken losschlagen. Mit Recht 
macht Bücher darauf aufmerksam, daß darunter kein Großhandel 
zu verstehen sei^). Es war eher eine Beschränkung der Handelsfrei- 
heit, sie sollten als Detailverkäufer den Schneidern keine Konkurrenz 
machen; sie durften also nur die Tuche an Tuchhändler absetzen. 

Auch beim Verkauf von Gewürzen und Spezereien, die als 
unausgelöste Pfänder in der Hand der Juden zurückgeblieben waren, 
galten ähnliche Beschränkungen wie beim Tuchhandel. Auch da 
verbot ihnen die Stättigkeit vom Jahre 1435 aus denselben Gründen 
den Detailhandel; Juden durften die Gewürze nur in ganzen Säcken 
oder in Fässern, aber nicht unter 25 Pfund, veräußern 2). 

Solchen Beschränkungen unterstanden aber nicht etwa die 
Juden allein, sondern auch die christlichen Handel- oder Gewerbe- 
treibenden; auch die christlichen Weber durften z. B. kein Tuch 
mit der Elle verkaufen. Derartige Verordnungen lagen durchaus 
im Geiste der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Zeit 2). 

Aus obigen Ausführungen geht wohl hervor, daß die Frank- 
furter Juden des XIV. Jahrhunderts es verstanden hatten, trotz 
aller Einschränkungen sich immerhin eine gewisse Stellung im Han- 
del zu sichern. 

Auch noch eine andere Möglichkeit bot sich ihnen, sich mit Umn 
gehung der Verbote wenigstens indirekt am eigentlichen Handel 
zu beteiligen, nämlich indem sie sich heimlich mit Christen asso- 
ziierten. Begreiflicherweise schweigen die christlichen Quellen hier- 
über, die jüdischen dagegen setzen solche gemeinsamen Geschäfte 
als allgemein bekannt voraus*). Andererseits werden wir später 
sehen, daß Christen (in Frankfurt sogar der Rat) sich an den ge- 
winnreichen Geldgeschäften der Juden beteiligten, ihnen auch Gel- 
der vorstreckten, um sich dabei zu bereichern. 

Daß Juden untereinander Kompaniegeschäfte machten, ist 
selbstverständlich. Wir würden dies von vornherein annehmen, 
auch wenn es nicht ausdrücklich in den Rechen- und den Gerichts- 
büchern vermerkt stände. So handeln gemeinsam David und seine 
Mutter^), David und Samuel«), Israel und Jakob von Straßburg'). 
Die Kompagnons werden als „gesellen" bezeichnet^). Andererseits 

1) L. c, S. 585. 

*) Siehe Bücher, 1. c, S. 585. In Nürnberg war ebenfalls den Juden verboten, Ge- 
würze, „die gewogen wurden", an Christen zu verkaufen. Barbeck, S. 9. 

') Siehe die Auseinandersetzungen hierüber bei Bücher, S. 585 u. 586. 

«) Siehe die Belege bei Hoffmann Nr. 131, S. 121, 190. 

^) Siehe Urkundenbuch, S. 814; daneben wird auch erwähnt, daß Davids Mutter 
„besundern phand hat uffgeboten". 

«) L. c, S. 821. 

») L. c, S. 895. 

8) So im Rechenbuch 1368 (Urkundenbuch, S. 233). Liepmane von Arwiler und 
syme gesellen cflor. 



— 35 — 

betreiben die Eheleute Zorline und Süßkind, jeder von einander 
gesondert, ihre Geschäfte. 

Der Handel mit den erwähnten Gegenständen hatte immerhin, 
wenn er auch von dem Pfandgeschäft seinen Ausgang nahm, einen 
großzügigeren Charakter als der eigentliche Trödelhandel, der im 
Gegensatz zum Großhandel den Blick des Menschen verengt, ihn 
selbst geschmeidig und schlau macht und lehrt, die Verlegenheit 
und Not des andern auszunutzen. Nur gar zu leicht haftet von dem 
Schmutz der Gegenstände, mit denen der Trödler handelt, auch ihm 
selbst etwas an. 

Für den Umfang des Trödelgeschäftes sind nicht sowohl die 
Urkunden, als vielmehr die Gerichtsbücher die beste Quelle; aus 
ihnen erfahren wir, was da alles den Juden zu ihrer Sicherheit 
als Pfand gegeben wurde. Und wenn Johann Emichen von 
Ortenberg der Jüdin Zorline auf einmal 2 Betten, 6 Bettücher, 
6 Tischlaken, 2 Pfühle, 6 gewirkte Kissen, 6 Schleier, 1 Banktuch 
versetzt, und Henne von Grünstadt ebenderselben 3 silberne Scha- 
len, 3 silberne Löffel, 1 silbernen Becher, 1 Mantel, 1 Rock, 1 halb- 
seidenen Schleier, 5 unten und oben mit Silber beschlagene Becher, 
dazu 1 silbernen Gürtel, 2 seidene Schleier, 3 goldene Ringe, 4 Butz- 
bacher Tuche, 1 Mantelscheibe und 1 neuen bunten Pelz, eben- 
falls auf einmal — um nur zwei Beispiele aus der überreichen Fülle 
auszuwählen — , da blieb den jüdischen Gläubigern nichts anderes 
übrig, als die nicht eingelösten Pfänder möglichst vorteilhaft zu 
verkaufen. Dies konnte wohl noch im XIV. Jahrhundert auf dem 
Markte oder in der Stadt oder in einem Laden der Stadt, den der 
Jude sich etwa gemietet hatte, geschehen^), vor allem aber auf 
den beiden jährlichen Messen. Hier hörte ja jede Beschränkung 
auf, hier galt Handelsfreiheit für Fremde und Einheimische, für 
Kaufleute und Handwerker, für Laden- und Budeninhaber wie 
für Hausierer, für Juden und Christen, hier fand sich einheimisches 
und auswärtiges kauflustiges Publikum von Dorf und Stadt in 
Menge ein 2). 

Andererseits vermehrte sich gerade durch die Messe der Waren- 
vorrat der Frankfurter Juden. Denn manche auswärtigen Händler, 
die während der Messe einen Teil ihrer Waren nicht hatten ab- 
setzen können, verkauften sie entweder nach Schluß der Messe an 
die Juden oder ließen die Restbestände, um die hohen Frachtkosten 
zu sparen, als Pfand bei ihnen zurück, sie hielten sich dadurch die 
Möglichkeit offen, die Waren bei günstiger Verkaufsgelegenheit 
durch ihre Einlösung wiederzuerlangen, wenn nicht, so verfielen 
sie den Juden. 



^) Erst im Jahre 1488 ward den Juden der Verkauf an beiden Stellen verboten. 
2) Dietz, Frankfurter Handel, S. 18 und S. 163. 

3* 



— 36 — 

So häuften sich im Laufe der Zeit in den Häusern der Juden 
große Lager von Waren der verschiedensten Art an, zu denen noch 
die Trödelsachen im eigentlichen Sinne des Wortes hinzukamen, alte, 
gebrauchte, abgenutzte Gegenstände. Wenn wir in den Gerichts- 
büchern unter den versetzten Sachen besonders Kleidungsgegen- 
stände, wie Röcke (tunica, pallium). Wamse, Joppen (wackos), Män- 
tel, Kogel, Kopfbedeckungen (slappen), Hüte, Hosen, Beinlinge, 
Schleier usw. finden, so ergibt sich daraus, daß gerade der Kleider- 
trödel in der Judengasse besonders blühen mußte. In vielen Fällen 
vermochte ja der Jude die Pfandgegenstände billiger zu verkaufen 
als der christliche Kaufmann oder Handwerker seine Waren. So 
ward er für beide trotz aller Beschränkungen, denen seine Tätig- 
keit unterworfen war, ein unbequemer und gefährlicher Konkurrent. 
Denn wir begreifen wohl, wie der Jude danach trachtete, die ihm 
gesetzten Grenzen zu überschreiten. Die zahlreichen Eingaben und 
Beschwerdeschriften von christlicher, die Entgegnungen und Ver- 
teidigungsschriften von jüdischer Seite geben uns ein anschauliches 
Bild dieser Kämpfe^). 

Immerhin war den Frankfurter Juden eine größere Bewegungs- 
freiheit gestattet, als den Juden in manch anderen Reichsstädten. 
So sollten sie z. B. in Nürnberg ohne besondere Erlaubnis keine 
Kaufmannschaft treiben, insbesondere war ihnen untersagt, Wein 
und Bier an Christen auszuschenken, an Sonn- und Feiertagen Han- 
delschaft zu treiben^), nur der Handel mit Fleisch und Pferden blieb 
ihnen offen. Der Kölner Rat ging sogar so weit, die Juden vom 
Besuch der Messe auszuschließen^). 

Zum Schluß möchte ich noch einiges über den Geschäftsbetrieb 
und die Geschäftsgebräuche der damaligen Juden erwähnen. Wir 
finden darüber in den jüdischen Quellen manche Bestimmungen, 
von denen wir annehmen dürfen, daß sie auch in der Frankfurter 
Gemeinde Geltung hatten, wenn sie auch nicht ausdrücklich für sie 
verbürgt sind. 

Eine derartige wichtige Bestimmung, die des R. Mordechai 
b. Hillel aus Nürnberg (c. 1298), verbot den Juden einer solchen Stadt, 
in der Markttage und Messen abgehalten zu werden pflegten, aus- 
wärtige Juden vom Handel- und Geldleihgeschäft daselbst fernzu- 
halten*). Ferner durften Juden einem aus ihrer Stadt Weggezogenen 
nur dann verbieten, daselbst weiter Geschäfte zu treiben, wenn er 
seine Schulden bereits eingezogen und am neuen Ort ausreichenden 

^) Näheres hierüber, allerdings für die Zeit des XVII. Jahrhunderts, siehe Kracauer, 
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Krieg in Geigers Zeit- 
schrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, Band III und IV. 

2) Barbeck 1. c, S. 9 u. 10. 

3) Ennen, Geschichte der Stadt Köhi II, S. 586. 
*) Hoffmann Nr. 219, S. 229. 



— 37 — 

Lebensunterhalt gefunden habe^). Also auch hier, wie bei den 
Christen der Zeit, die Anschauung, daß keiner in den Nahrungszweig 
des andern eindringen dürfe. 

Der wegziehende Jude, der Schuldner zurückließ, sollte seine 
Forderungen nicht auf einmal einfordern; dadurch hätte er unter 
Umständen eine Geschäftskrisis heraufbeschwören können. Er 
mußte sich vielmehr durch die Gemeinde oder einzelne Gemeinde- 
mitglieder abfinden lassen, die dann die ruhige Abwicklung des 
Geschäftes übernahmen 2). 

Das Buch der Frommen^) warnt ferner davor, mit Geistlichen 
Geschäfte zu treiben. Diese Mahnung ist aber nicht als Ausfluß 
eines etwaigen Christenhasses aufzufassen, denn der Verfasser des 
Buches verbietet, einen Christen zu belügen; wie man gegen einen 
Juden ehrlich verfahren solle, so auch gegen einen Christen. Er 
geht sogar so weit, daß er den Juden beschwört, Heber betteln zu 
gehen, als sich christhches Geld auf ungerechte Weise anzueignen*). 
Im Geschäftsleben sollen also Christen und Juden gleich behandelt 
werden^). So befiehlt er auch, dem Christen, der an einem Ort Ge- 
schäfte machen will, auf Befragen gewissenhaft anzugeben, welcher 
Kaufmann daselbst geschäftlich zuverlässig sei, welcher nicht. Also 
nur trübe persönliche Erfahrungen haben den Verfasser des Buches 
der Frommen diesen Rat erteilen lassen, den er weiter damit be- 
gründet, daß man im Geschäft mit Geistlichen sein Geld verliere, 
weil sie in geschäftlicher Gewandtheit den Juden mehr als ge- 
wachsen seien. 

An den Halbfeiertagen, zur Zeit des Passah- und des Laub- 
hüttenfestes, waren Warengeschäfte verboten. 

Zweifelhaft ist, ob auch für die Frankfurter Gemeinde das 
„Kundenrecht" galt, wonach sich kein Gemeindemitglied in den 
Kundenkreis eines anderen eindrängen sollte, um ihm die Kunden 
abspenstig zu machen^) (also eine Art Verbot von unlauterem 
Wettbewerb). An anderen Orten aber mußte es sich das ausschließ- 
liche Kundenrecht, d. h. den Anspruch, allein mit seinen Kunden 



1) L. c. 

2) Siehe die Belege bei Hoffmann Nr. 131, S. 121 u. 190. 

^) Aus dem XIII. Jahrhundert, näheres siehe Güdemann, Geschichte des Erziehungs- 
wesens usw. I, S. 178. 

*) L. c, S. 185. 

^) Damit vgl. Sombart in seinem Werke „Der Bourgeois, zur Geistesgeschichte des 
modernen Wirtschaftsmenschen", S. 343. „An dem Grundgedanken, dem Fremdling 
schuldest du weniger Rücksicht als dem Stammesgenossen, ist . . bis heute (von den 
Juden) nichts geändert worden. Diesen Eindruck hinterläßt jedes unbefangene Studieren 
des Fremdenrechtes in den heiligen Schriften, im Talmud und in den Codices" usw. 

®) Mithin galt nicht allein dem Bourgeois alten Stils, wie Sombart I. c, S. 203 meint, 
die Kundschaft wie ein umfriedeter Bezirk, der dem einzelnen zugesprochen ist, sondern 
schon im Mittelalter den sohden jüdischen Händlern. 



— 38 — 

handeln zu dürfen, von der Gemeindeverwaltung erkaufen, die 
dann jeden anderen von seinem Kundenkreis fernhielt^). 

Die deutschen mittelalterhchen Gesetzbücher (Sachsen-, Schwa- 
benspiegel usw.) berühren kaum die jüdischen Handelsgeschäfte, 
der SchwabenspiegeP) hat nur die Bestimmung, daß in allen Ver- 
käufen von Waren, die zwischen Christen und Juden stattfänden, 
das deutsche Kecht gelten solle, wenn der Jude sich nicht ausdrück- 
lich sein Judenrecht ausbedungen habe. Worin sich dieses vom 
Christenrecht unterscheidet, werden wir an anderer Stelle unter dem 
Abschnitt ,, Darlehen auf Faustpfand" bringen. 



III. Andere Berufe der Frankfurter Juden 
bis zum Ausgang des XIV. Jahrhunderts. 

Wenn auch Handel, Pfand- und Geldgeschäfte die größte An- 
zahl der Juden in Anspruch nahm, so finden wir in Frankfurt 
bei ihnen noch andere Berufe vertreten, doch muß dabei bemerkt 
werden, daß die meisten, die diese Berufe ausübten, daneben ein 
mehr oder minder ausgedehntes Leihgeschäft betrieben, wie wir 
dies unzweifelhaft aus den Gerichtsbüchern nachweisen können. 

Wir beginnen zunächst mit dem angesehensten Beruf, dem 
ärztlichen. 

Seit dem XIII. Jahrhundert war die Kirche bemüht, den Ver- 
kehr zwischen Christen und Juden möglichst zu beschränken, vor 
allem trat sie gegen die ärztliche Tätigkeit der Juden auf. Die Kon- 
zilien verboten den Gläubigen bei Strafe des Bannes, sich jüdischer 
Ärzte zu bedienen, und die Provinzialsynoden in den einzelnen Län- 
dern, so auch in Deutschland, wirkten in diesem Bestreben weiter. 
So machte es die Trierer Provinzialsynode des Jahres 1227 den 
Landesherrn zur Pflicht, die Ausübung der Heilkunde bei Christen, 
sowie das Darreichen von Arzneien den Juden unter Androhung von 
Strafen zu verbieten^). Die Wiener Kirchenversammlung vom Mai 
1267 wandte sich an die Juden selbst, untersagte ihnen, kranke 
Christen zu besuchen und ihnen ärztliche Hilfe zu gewähren^). Aber 
wie hätten sich die Gläubigen nach diesen Verboten richten können, 
da ja gerade im XIV. Jahrhundert die Päpste, und unter ihren Augen 
der römische Senat, dagegen verstießen! Dieser befreite z. B. im 

1) Hoffmann, Nr. 12, S. 138. 

2) Siehe Schaab, Geschichte der Juden zu Mainz, S. 80ff. 

^) . . . nee aliquam potionem dent christianis. Aronius, S. 194, Nr. 439. 
*) Nübling, Die Judengemeinden des Mittelalters S. 85. Scherer S. 334. 



— 39 — 

Jahre 1376 jüdische Ärzte „wegen der vielen Dienste, die sie den 
Bürgern täglich durch ihre ärztliche Kunst erweisen", von jeder 
Steuer und Abgabe, sowie vom Tragen des Judenzeichens i). Papst 
Bonifazius X. nimmt sogar den verdienstvollen Judenarzt Angelus 
1392 unter die päpstlichen Ärzte und Hausgenossen auf 2). 

Und wie in Rom, in ganz Italien und in anderen Ländern, 
so haben auch in Deutschland die höchsten weltlichen und geist- 
lichen Behörden sich mit Vorliebe jüdischer Ärzte bedient und ihnen 
ihr volles Vertrauen zugewandt. Der Rat der Stadt Frankfurt hat, 
wie wir gleich erfahren werden, darin keine Ausnahme gemacht. 

Wann zuerst sich ein jüdischer Arzt in Frankfurt niedergelassen 
hat, können wir nicht mehr ermitteln, jedenfalls erst sehr spät, nicht 
vor dem XIV. Jahrhundert. Um die Mitte des XIII. Jahrhunderts, 
also zu einer Zeit, wo die Gemeinde über 200 Seelen zählte, befand 
sich kein jüdischer Arzt in ihrer Mitte, denn das Martyrologium 
des Jahres 1241, das uns die in der ersten Judenschlacht Hin- 
gemordeten genau mit Namen und Beruf angibt, erwähnt unter 
ihnen keinen Arzt. 

Als solcher wird zuerst in unseren Quellen Isaac (Ysaak) ge- 
nannt. Im Gerichtsbuch 1345^) heißt er medicus judeorum, in dem 
des Jahres 1347*) nur arzit. Der zweiten Judenschlacht im Jahre 1349 
ist auch er zum Opfer gefallen. 

Vierzehn Jahre später^), nachdem den Juden der Aufenthalt in 
Frankfurt wieder gestattet worden war, also im Jahre 1363, zieht 
dorthin Meister Jakob, gewöhnlich mit dem Beinamen Judenarzt ^). 
Seinen Beruf übte er auch unter Christen aus, und zwar auch außer- 
halb Frankfurts. Er muß einen gewissen Ruf genossen haben, denn 
als der Herr von Falkenstein erkrankte, erbat er ihn sich vom Rate, 
und dieser schickte ihn unter städtischem Geleite auf die Burg'). 

^) Siehe Moritz Stern, Urkundliche Beiträge über die Stellung der Päpste zu den 
Juden, Heft 1, S. 14: . . . judei cirurgici in eorum arte peritissimi, qui cotidie Romania 
civibus fecerunt et faciunt multa servitia et sunt in Urbe utilissimi usw. 

2) . . . te in nostrum . . medicum et famiharem recipimus et aliorum medicorum et 
familiarium nostrorum . . numero aggregamus; L c. S. 17. Siehe auch Carmoly, Histoire 
des m^decins juifs anciens et modernes Tome premier; Vogelstein und Rieger, Geschichte 
der Juden in Rom. 

3) Siehe Urkundenbuch S. 410. 
*) L. c, S. 429. 

*) Die Vermutung Kriegks (Deutsches Bürgertum, S. 34), daß der Arzt Jakob 
von Basel, den das Bedebuch 1358 erwähnt, ein Jude gewesen sei, ist schon deshalb 
hinfällig, weü um diese Zeit noch keine Juden in Frankfurt weilten. Horovitz, Jüdische 
Ärzte in Frankfurt a. M., S. 5, Anm. 1, pflichtet ihm bei und bemerkt noch, daß er, „wie 
viele jüdische Ärzte und Ärztinnen nach ihm, außerhalb der Judengasse wohnte". Dies 
trifft aber für die jüdischen Ärzte in Frankfurt nicht zu; unsere Quellen erwähnen nichts 
hierüber, wohl aber, daß Gesuche der jüdischen Arzte, außerhalb der Judengasse 
wohnen zu dürfen, vom Rat abschlägig beschieden wurden. 

•) Siehe die Rechenbücher von 1363 ab. 

') Rechenbuch 1376 vom 12. Januar, siehe Urkundenbuch S. 246. 



— 40 — 

In den Steuerlisten findet er sich noch bis 1391^). Neben seiner 
Praxis betrieb er ein ausgedehntes Geldleih- und Pfandgeschäft. 
Der Name keines Arztes findet sich auch annähernd so oft in den 
Gerichtsbüchern erwähnt, als der seine. Wie sehr sich sein Wohl- 
stand gemehrt hatte, geht daraus hervor, daß seine Steuer von 
15 Gulden allmählich auf 31 Gulden gestiegen war. 

Ein Jahr nach seinem Tode treffen wir als Judenarzt in Frank- 
furt wiederum einen Isaac. Da ihn die Rechenbücher niemals unter 
dem Posten „Einnahmen" erwähnen, er also der Stadt keine Steuern 
zahlt, die Gerichtsbücher ihn aber nur als Schuldner kennen 2), so 
wird er ausschließlich seinem ärztlichen Berufe gelebt haben. Er 
teilte sich in die Praxis mit Vif and. Dieser aber scheint wenig ver- 
träglicher Natur gewesen zu sein und lebte mit einzelnen Gemeinde- 
mitgliedern nicht gerade im Frieden. Wahrscheinlich konnte er 
sich deshalb nur kurze Zeit in Frankfurt behaupten (von 1393 
bis 1395)^). Einen Teil seiner Praxis übernahm dann Salman 
Pletsch aus Regensburg. Beide scheinen sich ebenfalls ausschließ- 
lich auf ihren ärztlichen Beruf beschränkt zu haben, nirgend sind 
sie in den Gerichtsbüchern als Geldleiher erwähnt. Dieser Umstand 
und der Ruf, den Salomon Pletsch überall genoß, werden den Rat 
wohl veranlaßt haben, ihn als städtischen Wundarzt^) anzustellen,^ 
und zwar mit einem Gehalt von 36 Gulden und 6 Ellen Tuch, „einer 
färbe, so sie ander ire dienere cleiden". Noch haben wir seine Bestal- 
lungsurkunde ; sie ist vom 18. Juni 1394 ausgestellt, und zwar für die 
Dauer eines Jahres ^) . Er verpflichtet sich darin, den Dienern der Stadt 
und allen denen, die in ihrem Dienst wund werden, ebenso den siechen 
Leuten^) im Spital mit seiner Kunst ,, bereit" zu sein und keinen Lohn 
dafür zu nehmen, von den Bürgern und Beisassen aber nur das Gezie- 
mende („daz zitlich und bescheidenlich ist"). Bei Streitigkeiten über 
die Höhe des Honorars hatte sich Salman Pletsch der Entscheidung 
der beiden Bürgermeister zu fügen. Die Verpflichtung Salmans als 
städtischer Beamter erfolgte durch Handschlag und Eidesleistung^). 

^) Also nicht bis 1396, wie Horovitz S. 5 annimmt. 

2) Gerichtsbuch 1395, S. 818. Im Gerichtsbuch 1400, S. 885 prozessiert er mit dem 
Gerber Christian, anscheinend wegen des Honorars. 

3) Im Gerichtsbuch 1394, S. 797 verklagt er Jakob, der ihn mit Schlägen miß- 
handelt habe, ebenso prozessiert er mit Joseph, der ihn sogar in den Turm hatte werfen 
lassen (1. c. S. 799). 

*) „der stad wondarzt" heißt er im Rechenbuch 1395 (Urkundenbuch S. 279). 

6) Siehe Urkundenbuch Nr. 428, S. 199 u. 200. 

*) Horovitz hat Juden für luden, was zu ganz falschen Folgerungen führen mußte. 
Auf Grund dieser Lesart spricht Baas in seinem Aufsatz, Jüdische Hospitäler im Mittel- 
alter (siehe Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums von Brann,. 
57. Jahrgang, Heft 7/8, S. 456) von einem jüdischen Hospital in Frankfurt, und der Rat 
habe bestimmt, „daß der Stadtwundarzt Sahnan Pletsch ... die siechen Juden im Spital 
unentgelthch zu behandeln habe". 

') Salman schwört natürlich den Judeneid. 



— 41 — 

Wenn wir die Bestallungsurkunde des Salman Fletsch mit der 
von christliclien Ärzten aus dieser Zeit, z. B. der des Hans, genannt 
Wolf, vom Jahre 1381 und der des Hermann von Worms vom Jahre 
1393 vergleichen^), so erkennen wir, daß sie sich inhaltlich völlig ent- 
sprechen. Nur ist der Dienstvertrag mit den Christen ohne jede Zeit- 
angabe abgeschlossen. Daraus folgt aber keineswegs, daß damit ein 
Dienstverhältnis auf Lebensdauer gemeint ist, denn am Schluß des 
Briefes behält sich die Stadt jederzeit das Kündigungsrecht vor 2). 
Beide Ärzte erhalten ein geringeres Honorar als Fletsch, Hans Wolf 
nur 20 Gulden, Hermann von Worms 32 Gulden nebst den 6 Ellen 
Tuch. Die Eidesformel leisten sie in einer dem christlichen Glauben 
entsprechenden Form^). 

Wahrscheinlich ist auch Salman der jüdische Arzt, von dem 
sich Christen in der ärztlichen Kunst unterrichten ließen. Einen 
darauf bezüglichen Vertrag aus dem Jahre 1392, in dem Salman 
Fletsch schon praktizierte*), haben uns die Gerichtsbücher er- 
halten^). Danach sollte eine Kommission von Christen und Juden, 
„die sich uff ärtztie versteen", die Höhe des Unterrichtshonorars 
festsetzen. 

Was Salman Fletsch veranlaßt hatte, aus Frankfurt wegzu- 
ziehen^), wissen wir nicht. Jedenfalls waren die Erfahrungen, die 
der Fat mit diesem Judenarzt gemacht hatte, von der Art, daß er 
Ende 1398 das Amt eines Stadtarztes wiederum einem Juden, dem 
bereits erwähnten Isaak, übertrug. Als halben Jahreslohn erhielt 
er 10 Gulden'). 



^) Beide Verträge befinden sich im Frankfurter Archiv, Mittelgewölbe B 163, 
Nr. 3 u. 4. 

2) „Auch mögen sie mir Urlaub geben, wilche tzid sie wollen", wie im Urkunden- 
buch S. 200. 

^) Nämlich: sie haben in gudin truwen globit und darnach mit mynen ufE ge- 
rachten fingern gein der sonnen zu den heiligen gesworn, stede, veste und unver- 
brochenlich zu haldene etc. Der Fletsche Dienstbrief wird vom Ritter Rudolf von 
Sachsenhausen gesiegelt, der Wolfsche von ihm selbst, der Hermannsche vom Richter 
(Polizeibeamten) Jakob Neuhaus. 

*) Siehe die Klage des Stangenträgers gegen ihn in Gerichtsbuch 1392, im Urkunden- 
buch S. 780. 

^) Ich gebe den Wortlaut dieser interessanten Entscheidung aus den Gerichts- 
büchern (Urkundenbuch S. 782) wieder: „Item presentibus quattuor (nämlich Schöffen) 
hant mit urtel gewiset, daz Longmus und der juddenartz sollen nemen cristen und judden, 
die sich uff artztie versten, und waz die dunckit, daz Longmus dem judden vor sine 
kvmst und arbeid dun sulle, daz gotelich, redeüch und bescheidenlich sy, daz sulle er 
ym geben und soUent beide daran ein gnugen han." 

®) 1395 war er noch in Frankfurt, das Bedebuch von diesem Jahre (siehe Urkunden- 
buch S. 298) erwähnt einen Salman als Judenarzt. 

^) Rechenbuch vom 11. Januar 1399 (Urkundenbuch, S. 283). Offenbar ist dieser 
Isaak derselbe, den Lersner in seiner Chronik (Buch II, Kap. XVI) unter medici ordinarii 
mit „Isaak Friedrich, der Jud" bezeichnet; doch setzt er ihn fälschhch ins Jahr 1388. 
Stricker in seiner Geschichte der Heilkunde in Frankfurt a. M., S. 68, ist Lersner gefolgt, 
wie schon früher Schudt, II, S. 400, und Kirchner, I, 459. 



— 42 — 

1395 hatte aucli ein Arzt namens Nathan einen allerdings nur 
ganz kurzen Aufenthalt in Frankfurt genommen^). Anscheinend 
konnte er sich hier nicht behaupten, da der ärztliche Beruf zu über- 
setzt war. 

In den Gerichtsbüchern tritt auch Selekeid „Judenärztin" auf, 
eine leicht irreführende Bezeichnung, sie ist nämlich die Gattin des 
Judenarztes Jakob, nicht etwa Ärztin. Erst im XV. Jahrhundert 
haben wir eine wirkliche Judenärztin 2). 

Auffallend ist, daß sich in dieser und auch in der folgenden Zeit 
keine jüdischen Hebammen in der Stadt finden 2). 

Frankfurt war nicht die einzige Stadt, die mit Umgehung der 
kanonischen Verbote Juden als Stadtärzte anstellte. Erwähnen will 
ich nur, daß der Rat in Basel bis in den Anfang des XV. Jahrhun- 
derts eine Reihe jüdischer Ärzte im städtischen Dienste hatte, so 
den Wundarzt Gutleben, der fast dreißig Jahre praktizierte. Wie 
sehr auch er den Anforderungen seiner Herren genügt hat, beweist 
am deutlichsten die Tatsache, daß sein auf 10 Jahre laufender Dienst- 
kontrakt dreimal erneuert wurde, ferner, daß sein Gehalt von 24 Gul- 
den (1378) auf 50 Gulden (1398) erhöht wurde; im Jahre 1380 er- 
hielt er sogar 61 Gulden. In der Bestallungsurkunde von 1398 wurde 
er in allen Rechten und Freiheiten den übrigen Bürgern gleichge- 
stellt. Verboten wird ihm aber, sowie seinem Weibe und seinen 
Hausgenossen, Geld auf Zins auszuleihen, solange er als einziger 
Jude in der Stadt lebe. Nur wenn noch andere Juden sich daselbst 
niederlassen und Geld ausleihen, sollte auch ihm dies gestattet sein*). 



Von sonstigen gelehrten Berufen haben wir natürlich den des 
Rabbiners. Er führt auch den Titel Rabbi (Rabi), Rebbe (Rebi), 
Meister^), magister judeorum, Judenmeister, Lehrmeister, Hoch- 
meister. Die meisten Namen der Frankfurter Rabbiner sind uns 
erhalten, allerdings oft nur die Namen. Die Reihe eröffnet einer 
der berühmtesten Rabbiner des Mittelalters, Simon Hadarschan, 
der Verfasser des Midrasch Jalkut^), so daß es uns nicht wunder- 
nehmen darf, daß damals auch aus dem Ausland wißbegierige 
Jünglinge nach Frankfurt strömten, wie die Liste der Erschlagenen 

^) Im Gerichtsbuch 1395 erwähnt (Urkundenbuch, S. 878). 

2) Siehe Kriegk, 1. c, S. 558. 

3) L. c. 

*) Weitere Beschränkungen, so das Verbot, fremde Juden über Nacht ohne Wissen 
des Rates zu beherbergen, siehe Günzburg, Die Juden in Basel, in der Basler Zeitschrift 
für Geschichte und Altertumskunde, Band VIII, Heft 2, S. 368ff. Auch sonst verdanke 
ich diesem Aufsatz manche beachtenswerte Notiz. 

^) Auch die Ärzte führen den Titel Meister. 

*) Näheres über ihn siehe Epstein in der Zeitschrift Hachoker I, S. 85ff. u. S. 129ff. 
Die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis zum Jahre 1349, S. 5 u. 6. 



— -13 — 

in der ersten JudenscUaclit (1241) zeigt ^). Dem damaligen Blut- 
bad fielen auch drei Eabbiner zum Opfer, Rabbi Isaak, ben Rabbi 
Nathan 2), ferner Rabbi Isaak Habachur und als dritter Rabbiner 
ebenfalls ein Isaak. 

Als sich nach dem Gemetzel allmählich wieder eine Gemeinde 
bildete, erscheint ein Anselm^) als ihr magister, der in ihrem Namen 
und Auftrag im Jahre 1288 eine Urkunde über den Verkauf eines 
jährHchen Zinses*) unterzeichnet. 

Zwei Menschenalter lang hören wir nichts von Frankfurter 
Rabbinern; erst um 1331 findet sich in den Gerichtsbüchern ein 
Lehrmeister Abraham, der vielleicht nur Schulmeister war 5). Um 
diese Zeit, jedenfalls noch vor der zweiten Judenschlacht, wirkte 
aber in Frankfurt ein Rabbiner, dessen Ruf weit über die Mauern 
der Stadt hinaus drang, Rabbi Süßlin Alexander Hakohen, der 
Verfasser des gefeierten Werkes Agudda (Sammlung)^). Es enthält 
eine Darstellung des Religionsgesetzes im Anschluß an den Talmud 
und mit Zugrundelegung des Talmudtextes, außerdem aber auch 
eine große Anzahl Erklärungen und selbständiger, in die rehgöse 
Praxis eingreifender Entscheidungen, „die letzte den gesamten 
Talmud umfassende Bearbeitung"'). 

Von 1340 ab bis 1344 erscheint in den Gerichtsbüchern Gum- 
pert unter verschiedenen Bezeichnungen, teils als Meister, magister 
judeorum, teils als Lehrmeister, oder auch Rebe^). Um dieselbe 
Zeit wirken Rebe Girson^), ein magister Aaron^°) und Meister Suzelin 
von Nürnberg") (1347). Beim Wiedererscheinen der Juden in Frank- 
furt nach der zweiten Judenschlacht ist in den Rechenbüchern 
der Lehrmeister Joseph mit dem Beinamen Lampe als Steuerzahler 

1) L. c. s. 11. 

*) über ihn siehe Horovitz, Frankfurter Rabbiner, S. 5. 

^) Ob magister judeorum Rabbiner oder Vorsteher ist, muß von Fall zu Fall unter- 
sucht werden. Häufig wurden beide Ämter, da sie Ehrenämter waren, von derselben 
Person versehen. 

«) Siehe Böhmer-Lau I Nr. 556, S. 268; Urkundenbuch Nr. 15, S. 6. 

6) Urkundenbuch S. 332 u. 410. 

*) Über die Zeit, in der er lebte, siehe Horovitz, 1. c, S. 10, Anm. 1. Ob er identisch 
ist mit Süßkind aus Köln, der in den Gerichtsbüchern und Urkunden der dreißiger und 
vierziger Jahre des XIV. Jahrhunderts erwähnt wird, oder mit dem Süßkind des Kölner 
Judenschreinsbuches (siehe Stern und Hoeniger Nr. 364, S. 163 und Nr. 370 u. 371, 
S. 165), ist zweifelhaft. 

') Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der Juden in 
Deutschland usw. III, 15; Horovitz, 1. c, S. 9. Über den Verfasser der Agudda siehe 
Weiß, Zur Geschichte der jüdischen Tradition V, 196 f., und Michael, Or ha-Chajim, 
Nr. 476. 

^) Ob er mit dem in den Urkunden und Gerichtsbüchern um diese Zeit öfters 
genannten Gumprecht zum Storch identisch ist, ist zweifelhaft, siehe Salfeld, Martyro- 
logium, S. 365. 

9) Siehe Gerichtsbücher 1344 und 1346. 

^°) L. c. 1345. Rebin Suzman im Gerichtsbuch 1343 ist wohl Frau des Rabbi Suzman. 
") Urkundenbuch Nr. 112, S. 40. 



— 44 — 

mit 18 Gulden angefülirt^). Von 1374 ab tritt Rabbi Ascber 
auf 2), der den Euf hoher Gelehrsamkeit hatte. Er ist vielleicht 2) 
der Verfasser eines ergreifenden Gebetes, das für die Stunde des 
Märtyrertodes, auf den jeder gefaßt sein und für den sich jeder bereit- 
halten sollte, bestimmt war*). Aschers Zeitgenossen waren Lipmann 
(1366—1373), Isaak von Dieburg (1380) und David (1384). Von 
den Genannten wissen wir nur, daß sie den Beinamen Meister oder 
Lehrmeister hatten^). Etwas besser sind wir über Meister Meier 
von Nordhausen unterrichtet. Er lebte zuerst in Cöln. 1381 
finden wir ihn als Teilnehmer an der Rabbinerversammlung in 
Mainz. Ihre Beschlüsse unterzeichnet er mit Meier, Sohn des 
Märtyrers (Hakadosch) Rabbi Samuel aus Nordhausen. 1385 ist 
er in Frankfurt. Nach den Rechenbüchern zahlt er die hohe Steuer 
von 25 Gulden, die das nächste Jahr auf 20 Gulden ermäßigt ward®). 
Zur selben Zeit lebte in der Stadt noch ein Rabbiner namens 
Meier; sein Geburtsort war vielleicht Fulda, doch wird er nach 
dem Ort seiner späteren amtlichen Tätigkeit mit Meier aus Erfurt 
bezeichnet und ist wohl identisch mit dem aus hebräischen Quellen 
bekannten Meier b. Baruch Halevi. Diesem Manne ist eine Hebung^ 
des Rabbinerstandes seiner Zeit zu danken. Er hatte mit tiefem 
Schmerz gesehen, wie in jenen Tagen wissenschaftlich, religiös und 
sittlich ungeeignete Elemente sich in das heilige Amt eingedrängt 
hatten. Die Folge davon war, daß die Rabbiner, besonders in 
den kleinen Gemeinden, oft ganz ohne Ansehen und Einfluß waren. 
Darin schuf nun Meier Wandel, indem er durchsetzte, daß erst der 
für befähigt gehalten werden sollte, das Rabbinat zu verwalten, der 
als würdiger Schüler eines anerkannten Gesetzeslehrers mit dem Titel 
Morenu (unser Lehrer) geehrt wurde. Der heilsame Einfluß solcher 
wissenschaftlich und sittlich hochstehenden Männer zeigte sich 
bald und machte sich besonders im Unterrichts wesen geltend^). 
Aber dieser Meier scheint sich selbst nicht tadellos geführt zu 
haben, jedenfalls ward er im Jahre 1392 vom Frankfurter Rate 

1) 1363 und 1364. 

2) Rechenbuch des Jahres (Urkundenbuch S. 294). Seine Steuer beträgt 10 Gulden. 
^) Siehe Zunz, Literaturgeschichte, S. 390f. 

*) Mitgeteilt bei Horovitz 1. c, S. 12. 

^) Aus den Gerichtsbüchern der betreffenden Jahre. 

6) Rechenbücher 1385 und 1386 (Urkundenbuch S. 264 u. 265). Über ihn siehe 
Horovitz, S. 12, und besonders Stern, Die israelitische Bevölkerung der deutschen Städte 
III, Nürnberg im Mittelalter, S. 323. Im Gerichtsbuch 1385 (Urkundenbuch 719) findet 
sich folgender Vermerk über ihn: Heinr. von Holtzhusen burgermeister hat eynen kumer 
(Arrest) geuffint uff aUis daz von des radis wegin, daz die Juden zu Frankinford Meyers, 
eres robines ( ! ) gudis irme hat ( ! ) für M. Mark Silbers. Nähere Nachrichten hierüber 
fehlen uns. 

') Näheres hierüber bei Stern, 1. c, und Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens 
und der Kultur der Juden usw. I, 245 — 246; siehe auch III, 27. Weiß, Geschichte der 
jüdischen Tradition, S. 150, 164, 172, 255. 



— 45 — 

wegen eines Vergehens, ,,von brücke wegin, als ich widder sie und 
die iren getan", wie er selbst in einer noch erhaltenen Urkunde 
gesteht^) — wir wissen nicht, worin sein Vergehen bestanden hat. 
— eingekerkert, doch auf Verwendung des Königs Wenzel aus 
der Haft entlassen. In der Urfehde, die er zuvor schwören mußte, 
verpflichtete er sich bei Strafe von 1200 Gulden, weder gegen den 
Rat noch gegen die Frankfurter Juden mit Worten, Bannbriefen 
oder Werken und Schriften vorzugehen. Bald darauf finden wir 
ihn in Wien, wo er hochbetagt sein Leben beschloß. 

Sein Nachfolger in Frankfurt war Süßlin von Speyer, den die 
Rechenbücher noch bis 1399 aufführen 2). 

Über die Befugnisse der Frankfurter Rabbiner in unserem 
Zeitraum finden wir in unseren Quellen nur dürftige Angaben, doch 
ist anzunehmen, daß sie nicht anders gestellt waren, als die Rabbiner 
der damaligen Zeit in den deutschen Landen überhaupt. Demnach 
war der Rabbiner das religiöse Oberhaupt der Gemeinde^). Als 
solchem kamen ihm gewisse Ehren und Auszeichnungen zu, so beim 
Verlesen der Gesetzesrolle an Sabbaten und Feiertagen. Seine 
Befugnisse waren mannigfaltig, wenn auch nicht scharf abgegrenzt^). 

In erster Reihe stand er an der Spitze der Lehrhäuser (Jeschi- 
both), in denen besonders das Studium des Talmuds gepflegt ward. 
Neben dem offiziellen Gemeinderabbiner hielten sich noch andere 
Gelehrte in der Stadt auf, die als Vorsteher eigener Lehrhäuser*) 
ebenfalls den Titel Rabbiner führten. 

Jüdische Studenten (schaland)^) erwähnt das Gerichtsbuch des 
Jahres 1368«). 

Außer dieser Lehrtätigkeit übertrug man dem Rabbiner auch 
die Entscheidung religiöser Fragen, seine Anwesenheit und Mit- 
wirkung bei Eidesabnahmen, Trauungen, Scheidungen und Lö- 
sungen der Leviratsehen ward immer mehr üblich. Er ist zugleich 
als Richter tätig'); an ihn wenden sich prozeßführende Parteien, 

1) Sie befindet sich im Frankfurter Stadtarchiv Untergew. E. 43 und ist in Frei- 
manns Zeitschrift für hebräische Bibliographie XI, S. 107 ff. abgedruckt mit dem deutschen 
und dem hebräischen Text, das erste deutsche Sprachdenkmal in hebräischen Schrift- 
charakteren. Im Urkundenbuch steht sie Nr. 408, S. 187. Vgl. über ihn Joseph b. Mose, 
Leket Joscher, Einleitung I, Anm. 166, XLIff. 

2) Seine Steuer von 20 Gulden ward 1396 auf die Hälfte ermäßigt. 

3) Das Folgende unter Benutzung von Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens 
usw. Band III, Kap. II. 

*) Siehe Bedebuch 1389 (Urkundenbuch S. 294), „lernhus des Juden". 

^) Schalans wahrscheinlich verstümmelt aus scholans. 

6) Urkundenbuch S. 467. 

') So heißt es auch in einer vom Erzbischof von Mainz am 5. März 1378 fürlsaak, 
der Juden Hoemeister, ausgestellten Instruktion: „Er darf die Zweiungen unter den 
Juden imStift Mainz entscheiden, die Juden richten und vorladen nach judeschem Rechten, 
und wie er entscheidet, so sollen es die Parteien beobachten, ausgenommen die Artikel 
und Sachen, die vor uns selbst gehören." (Mainz-Aschaffenburger Ingrossaturbüchor, 
Band IX, fol. 1378 im Würzburger Archiv.) 



— 46 — 

damit er durch Vergleich Streitigkeiten schlichte oder auf Grund 
des mosaisch - talmudischen Gesetzes entscheide. War der Ruf 
seiner Gelehrsamkeit sehr groß, so wandten sich in solchen An- 
gelegenheiten nicht nur Mitglieder der eigenen Gemeinde an ihn, 
sondern auch aus weiter Ferne bestürmte man ihn mit Anfragen, 
die ihn oft in eine weitläufige, zeitraubende Korrespondenz ver- 
wickelten. 

Neben dieser Wirksamkeit lag dem Gemeinderabbiner noch 
ein anderes Amt ob: er hatte, wie einst die römischen Zensoren, 
die Aufsicht über die Sitten. Alles, was zwar nicht den Strafrichter 
anging, aber doch mehr oder minder in moralischer und sonstiger Hin- 
sicht Anstoß erregte, konnte er vor sein Forum ziehen. Ohne seine 
Zustimmung durfte in der Gemeinde keine neue Anordnung getroffen 
werden^). Wo dem Gemeindevorstand zugleich eine gewisse Juris- 
diktion zustand, führte er den Vorsitz im Kollegium. Um seine 
Autorität aufrechtzuerhalten und seinen Bestimmungen Nachdruck 
zu verleihen, standen dem Rabbiner manche Disziplinarmittel, 
leichtere und schwerere, zur Verfügung. Er konnte Widerspenstigen 
in der Synagoge vor versammelter Gemeinde eine Rüge erteilen oder 
gar bei weiterer Renitenz den Bann (Cherem) in seiner milderen oder 
härteren Form über sie aussprechen. Die letzte Form war sehr ge- 
fürchtet; wer 30 Tage in ihm verharrte, dessen Vermögen verfiel dem 
Fiskus 2). Aber der Mißbrauch, den manche Rabbiner aus eigen- 
nützigen Absichten mit dieser Macht trieben, — in einem kaiser- 
lichen Erlaß vom 3. Mai 1407 2) wurden ihnen geradezu Erpressungen 
vorgeworfen, infolge deren sie viele Juden ins Elend gebracht hätten 
— veranlaßte Kaiser Ruprecht und viele Behörden des Reiches, 
dagegen einzuschreiten. Auch die jüdischen Gemeinden suchten 
diese den Rabbinern gegebene Waffe abzustumpfen oder unschädlich 
zu machen. Während in der Frankfurter Gemeinde die Verhängung 
des Bannes nunmehr nur mit Wissen und Geheiß der Vorsteher 
erfolgen durfte, bestand in anderen Gemeinden das Gesetz, daß 
weder die Rabbiner, noch die Vorsteher, sondern die ganze Ge- 
meinde zum Bann ihre Bewilligung geben mußten^). 

Der Fall, daß ein Kaiser den etwaigen Bann gegen Juden, die 
in ihrer besonderen Gunst stehen, von vornherein für ungültig er- 
klärt, begegnet uns nicht selten. So hatte, wie wir wissen, Kaiser 
Ludwig der Bayer seinem Schwager, dem Grafen Gerlach von 



^) Güdemann, L c, III, 93, besonders Anm. 4 daselbst. 

2) Güdemann, 1. c., S. 35 u. S. 47. 

^) Über den Bann siehe besonders Scherer, Die Rechtsverhältnisse der Juden in 
den deutsch-österreichischen Ländern, S. 243; Güdemann, 1. c, S. 46, 48, 49; Kracauer, 
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kjrieg in Geigers 
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, Band III u. IV. 



Nassau, zuliebe bestimmt, daß vier jüdisclie Familie, die dieser in 
Frankfurt angesiedelt hatte, nicht gebannt werden durften^). 

Das Amt der Rabbiner war bis zum Ende des XII. Jahrhunderts 
ein Ehrenamt, ohne Entgelt; das änderte sich später und gab 
Maimonides Anlaß, heftig gegen die zu eifern, die sich für die Aus- 
übung ihrer Tätigkeit bezahlen ließen 2); sie verloren ja damit auch 
ihre unabhängige Stellung der Gemeinde gegenüber. In späterer 
Zeit, am Ausgang des Mittelalters, sind die Frankfurter Rabbiner 
Gemeindebeamte mit festem Gehalt, ob schon im XIV. Jahrhundert, 
läßt sich nicht nachweisen; vielleicht hatten sie nur freie Wohnung. 
Jedenfalls betrieben die meisten von ihnen noch Geld- und Pfand- 
geschäfte. Nur bei Ascher und Meier aus Erfurt ist dies nicht nach- 
zuweisen, wenigstens fehlen ihre Namen in den Gerichtsbüchern. 



Während sich die Rabbiner nur mit dem höheren Unterricht, 
dem eingehenden Talmudstudium, abgaben, lag der Elementar- 
unterricht auch in der Frankfurter Gemeinde in den Händen der 
Schulmeister. Als solchen lernen wir 1341 Menchin Fischelin*) 
(Fiszelin) kennen; dann ist noch von einem Samuel als ehemaligem 
Schulmeister die Rede*), 1375 wird Moise als Schulmeister erwähnt^). 

Wohlhabende Juden hielten sich besondere Hauslehrer, die 
Schulmeister genannt wurden*). Für den Anfangsunterricht gab 
es keine öffentlichen Schulen, sondern Privatlehrer unterrichteten 
die ihnen von den Eltern anvertrauten Zöglinge gegen Entgelt in 
ihrer Behausung. Den Lehrstoff bildete zuerst der Pentateuch, 
später leichtere Stellen aus der Mischna und dem Talmud'). Der 
Unterricht schloß mit dem dreizehnten Lebensjahre (der Bar- 
mizwa) ab. 

Auf die Ausbildung der Mädchen in der hebräischen Sprache 
legte man wenig Gewicht. Man verfaßte für sie schon frühzeitig 
Übersetzungen der Bibel und anderer hebräischer Schriften^), wohl 
ins Judendeutsch, das sich aber damals kaum vom ortsüblichen 
Deutsch unterschied. Schulverfassungen mit Lehrplänen für den 

*) Siehe Urkundenbuch Nr. 48, S. 14/15: . . . noch der banne, den die Juden darüber 
tun mochten, den wir chreftloz sagen von unserem gewalt. 

2) Güdemann III, S. 33. 

3) Gerichtsbuch 1341, wohl identisch mit Menün Fiszelins Schulenmeister, siehe 
Urkundenbuch S. 384. 

*) Sannel, quondam Schulmeister. 

6) Urkundenbuch S. 561. 

8) So Kosser, Salmans scholmeister, Urkundenbuch S. 456. Zweifelhaft ist, ob die 
öfters vorkommende Bezeichnung lermeister (lirmeister) als Rabbiner oder Schullehrer 
gelten soll. 

") Güdemann, 1. c, S. 110. 

8) Güdemann, 1. c, S. 113. 



— 48 — 

höheren und niederen Unterricht gab es wohl im nördlichen Frank- 
reich^), für die deutschen Juden um. diese Zeit fehlen sie. 

Wenn auch das Amt des Vorbeters oder Vorsängers in einzelnen 
Fällen vom Rabbiner mitübernommen wurde 2), so wurden doch in 
der Regel dafür besondere Personen angestellt. Am Schluß des 
XIV. Jahrhunderts werden in Frankfurt die Vorsänger Seligmann 
(1383), Jakob (1392) und Baruch (Baroch, Barijs) erwähnt^); viel- 
leicht war auch Salman Sänger, nach seinem Beinamen zu schließen, 
ein solcher. 

Für die Kleidung des Vorbeters während des Gottesdienstes, 
für die Art seines Vortrages und auch für sein außerdienstliches 
Verhalten hatte R. Moses Minz besondere Anweisungen abgefaßt^). 



Zu den niederen Kultusbeamten gehören auch die Schul- 
klopfer (Schulrufer). Im Jahre 1373 führen die Gerichtsbücher als 
solche Joseb, 1395 Joselin, 1396 Eberlin, 1397 Salman, 1400 David 
an. Der erwähnte Baruch hatte für kurze Zeit beide Ämter, das 
des Schulklopfers und das des Vorsängers zugleich inne. Auch eine 
Schulkopf erin Sara findet sich in dem Gerichtsbuch 1312, wahr- 
scheinlich ist sie aber nur die Frau eines Schulkloppers. Die Auf- 
gabe der Schulklopfer war, die Gemeindemitglieder zum Gottes- 
dienst einzuladen. Wenn auch die Gebetstunden genau bestimmt 
waren, so zeigte sich doch die Notwendigkeit, zum Frühgottesdienst 
durch einen Kultusbeamten besonders wecken zu lassen. Dies ge- 
schah entweder durch lautes Rufen ^) vor den einzelnen Wohnungen, 
daher der Name Schulrufer in den Rechenbüchern, oder auch 
durch Klopfen an die Haustüren. Die Zahl wie die Aufeinander- 
folge der Schläge war genau festgesetzt, in den rheinischen Gemeinden 
zuerst zwei Schläge, dann nach einer Pause ein dritter, anders in 
den österreichischen^). 

Das offenbar geringe Gehalt, das ihnen das Amt eintrug, 
zwang sie zu anderweitigem Verdienst, und so begegnen wir ihnen 
häufig in den Gerichtsbüchern als Geldausleihern. 

^) Mitgeteilt von Güdemann, I, S. 92 ff. 

^) So von R. Maharil und seinem Vater, s. Güdemann, III, S. 49. Einer der im ersten 
Blutbad in Frankfurt getöteten Rabbiner führte den Beinamen Chasan (Vorbeter). 

^) Baruch hatte 1398 das Amt niedergelegt, denn das Rechenbuch dieses Jahres 
nennt ihn einen ehemaligen Vorsänger. (Baroch, der jüden vorsenger waz, Urkundenbuch 
S. 283.) Ob der Name Senger, der sich hin und wieder als Beiname bei Judennamen findet, 
so Salman sengir, wie Kriegk will, als Vorsänger zu deuten ist (siehe oben), lasse ich dahin- 
gestellt. 

*) Güdemann, III, S. 95—97. 

^) „Gerufen" wurde an den Sabbaten und Festtagen, sonst wurde wohl immer 
und überall ,, geklopft". 

^) Güdemann, 1. c, S. 95. 



— 49 — 

Von sonstigen Beamten finden wir in der Frankfurter Gemeinde 
den Judenschreiber, auch nur als Schreiber bezeichnet. Er hatte 
Verträge und sonstige Beurkundungen aufzuzeichnen, vielleicht 
schrieb er auch die Gesetzesrollen. Als solchen lernen wir 1346 Meier 
(Meiger)i) und 1371 Salman^) kennen. 

Zweifelhaft ist, was unter der Bezeichnung der „Juden schatter" 
zu verstehen ist^), vielleicht Judenschätzer, d. h. der die Vermögen 
der Gemeindemitglieder für die Steuerveranlagung einschätzte. 



Charakteristisch für die Stellung, die damals noch die Juden 
im wirtschaftlichen Leben einnehmen, ist, daß laut den Gerichts- 
büchern noch bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts Juden und sogar 
Jüdinnen als Unterkäufer, resp. Unterkäuferinnen auftreten, wäh- 
rend sie später zu diesem Nahrungszweig nicht mehr zugelassen 
wurden. Unterkäufer hatten sozusagen amtlichen Charakter, denn 
sie waren die offiziellen Handelsvermittler zwischen den fremden 
Verkäufern und den einheimischen Käufern; sie hatten den Bürgern 
anzuzeigen, wann Waren auf den Markt gebracht worden waren, 
beim Handel zu vermitteln, das Kaufmannsgut auf etwaige Fehler 
hin zu prüfen und für die richtige Lieferung der erstandenen Waren 
zu sorgen*). 

Jede Art von Waren hatte ihre be??onderen sachverständigen 
Unterkäufer. In den Gerichtsbüchern treten drei jüdische Unter- 
käufer auf: zwei Frauen, Lewa um 1331^), und die „kleine" 
Sara um 1342^) und Samuel um dieselbe Zeit'). In welchem Ge- 
schäftszweig die Angeführten tätig waren, wissen wir nicht. 

Noch ein anderer Nahrungszweig war den Juden oder vielmehr 
Jüdinnen^) gelassen worden, der der „Hocken". In den Achtzigern 
des XIV. Jahrhunderts betreibt diesen Handel in Landesprodukten, 
Eßwaren usw. die Jüdin EUechin^). Nach einer Verordnung am 

1) Urkundenbuch S. 412. 

«) L. c. S. 482. 

^) „Seligman der Juden schatter". Urkundenbuch S. 685, vom Jahre 1383. Ist er 
identisch mit Seligman, dem Vorsänger, Urkundenbuch, S. 684 ? 

*) Nach Bücher, Die Bevölkerung von Frankfurt a. M. im XIV. und XV. Jahr- 
hundert, S. 251, 252. Er bemerkt dabei (S. 253): „Zur Zeit der Messen scheint im XIV. 
Jahrhundert der Unterkauf frei gewesen zu sein und zahlreiche Einheimische und Fremde 
darin ihren Erwerb gesucht zu haben." Näheres über Unterkäufer bei Dietz L c. 
S. 378 ff. Es gab sowohl ständige Unterkäufer als auch solche, die nur für Meß- 
zeiten angestellt wurden 1. c. 

') Siehe Gerichtsbuch dieses Jahres im Urkundenbuch, S. 322 und Gerichtsbücher 
1341 und 1344 (Urkundenbuch 400). 

«) Urkundenbuch, S. 366. 

') L. c, S. 362. 

8) Über diesen Stand siehe Bücher, 1. c, S. 249, der noch bemerkt: „Trügt nicht 
unsere Beobachtung, so wurde das Hockenwerk in Frankfurt . . vorwiegend von Frauen 
betrieben." 

«•) Gerichtsbuch 1386 im Urkundenbuch, S. 218. 

Kiacauer, Innere Geschichte der Juden Frankfurts. 4 



— 50 — 

Ende des Jahrhunderts durften die „Hocken" nur in ihren Häusern 
und auf ihren verzinsten Fenstern feilhalten ; wer beider entbehrte, 
dem sollte auf dem Samstagsberg ein Stand angewiesen werden. 



Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Juden in Deutschland, je 
mehr wir uns dem Ausgang des Mittelalters nähern, sich immer mehr 
vom Handwerk abgewandt haben — im Gegensatz zu ihren Glaubens- 
genossen in den slavischen^) und romanischen Ländern 2). Sie tragen 
aber nicht allein die Schuld daran. Denn die Innungen, die ja nicht 
nur gewerbliche, sondern auch religiöse Verbände waren, schlössen 
sie naturgemäß aus, und deren Druck nachgebend, verboten ihnen 
an verschiedenen Orten die Behörden die Ausübung des Handwerks^). 

Auch in Frankfurt hatte in der ersten Hälfte des XIV. Jahr- 
hunderts das Handwerk unter den Juden noch einige Vertreter 
gefunden. Daß es in der Judengasse jüdische Bäcker und jüdische 
Metzger gab — wir lernen aus den Gerichtsbüchern den Juden- 
bäcker Fifelin^) und den Metzger Ysrahel kennen^) — ebenso 
Judenwirte^) und eine Käsemacherin'), nimmt uns nicht wunder. 
Aus religiös -rituellen Rücksichten mußte man den Juden diese Berufe 
zugestehen^). Aber auch an solchen Gewerben, wo derartige Gründe 
nicht mitsprachen, beteiligten sich die Juden. Ein Schneider Aaron 
— wie der Name sagt, ein Jude — wird 1328 ins Bürgerrecht auf- 
genommen und schwört den Bürgereid ^). Das Schreinerhandwerk 
betreiben Salman (ca. 1330 — 1346), von dem es ausdrücklich heißt: 
„judeus, qui operatur cistas^'')" und Abraham, um dieselbe Zeit^^). 
Doch haben die beiden zuletzt Erwähnten sich auch mit Geld- 
verleihen befaßt. 



^) Siehe das Verzeichnis der Prager Judengemeinde von 1546, das uns eine statt- 
liche Anzahl von Handwerkern aufweist, in Geigers Zeitschrift der Juden in Deutschland, 
Band I, S. 178 ff. 

2) Güdemann, 1. c. II, S. 139. 

^) Siehe Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter, S. 78, 79, 80; 
Güdemann, III, S. 169ff. 

*) Pistor judeorum in den Gerichtsbüchern 1348 (Urkundenbuch S. 437 u. 445) 
„becker judeus"). 

5) Gerichtsbuch 1342 im Urkundenbuch, S. 370. 

®) Die Gerichtsbücher verzeichnen einen Vertrag, den der Judenwirt Abraham mit 
einem Juden wegen seiner halbjährhchen Verköstigung bei ihm abschließt (Urkunden- 
buch, S. 745). In den Steuerlisten wird er nicht genannt. 

^) Sie findet sich in den Rechenbüchern 1394 und 1395 mit dem Steuerbetrag von 
3 Gulden. 

^) Aus demselben Grunde (siehe 3. Buch Moses, Kap. XIX, 19) würden wir gern 
Heilman d. Juden, den Kürschner, als Juden ansprechen, aber trotz des Beinamens Jude 
ist er offenbar Christ, ebenso der im Urkundenbuch S. 470 erwähnte Kürschner Rüben, 
wie aus der ganzen Stelle daselbst hervorgeht. 

^) Siehe Bedebuch Oberstadt vom Jahre 1328 im Urkundenbuch S. 290. 

1") Er heißt auch Salman kistener, siehe Urkundenbuch, S. 363, 368, 381 usw. 

1^) Urkundenbuch S. 395. 



— 51 — 

Zum Schluß haben wir noch der Dienstboten bei den Juden 
zu gedenken. Die gerichtlichen Verhandlungen führen uns Juden- 
knechte und Judenmägde vor, deren Namen schon auf christlichen 
Ursprung hindeutet, wie Contzechin, der Knecht Abrahams^), 
Elbil, Magd des Fifelin^), Drude, Magd des Arztes Jakob 3), Else, 
Magd des Seligman^), Jekil, Knecht Nathans^). Doch ist das Mate- 
rial zu dürftig, um etwa, wie Bücher es für das XV. Jahrhundert 
versucht hat*), eine Statistik der Haushaltungen mit Angabe der 
Zahl der Dienstboten aufzustellen. Daß reiche Juden mehrere 
Dienstboten hielten, was ja eigentlich selbstverständlich ist, sehen 
wir bei dem Judenarzt Jakob und bei der Zorline. Erst am Ausgang 
des Jahrhunderts (1380) ward den Juden das Halten christlicher 
Dienstmägde und Ammen, wahrscheinlich aus Besorgnis vor 
geschlechtlicher Vermischung, untersagt, von männlichen Dienst- 
boten spricht dagegen der Erlaß des Rates nicht'). Dieses Verbot 
ist aber offenbar nicht streng durchgeführt worden, der Frank- 
furter Rat hatte es auch nicht aus eigener Initiative gegeben, 
sondern nur einem Druck des Schwäbischen Städtebundes damit 
nachgegeben, und so finden wir auch nach dieser Zeit noch Christin- 
nen in jüdischen Diensten, wie Drude im Dienste der Seligkeit^), 
Else im Dienste Seligmanns ^), und vielleicht Gele in dem der 
Zorline ^°). Dagegen sind die männlichen Dienstboten seit dieser 
Zeit fast ausnahmslos Juden. 

Im XV. Jahrhundert hielt es der Rat für nötig, bei den Stätig- 
keitserteilungen die Zahl der Dienstboten, die jede jüdische Haus- 
haltung aufnehmen durfte, genau festzusetzen"), weil wohl zu be- 
sorgen war, daß unter dem Titel Dienstboten fremde Juden und 
Jüdinnen widerrechtlich in der Stadt wohnten und keine Steuern 
zahlten ^2). Jedenfalls ist auffallend, daß sich auch Dienstboten 
unter den Geldverleihern befanden, die Steuern entrichteten, wie 
z. B. die Magd Besselini»). 

1) Urkundenbuch S. 314. 

2) L. c, S. 618. 

3) L. c, S. 918. 
*) L. c, S. 716. 
«) L. c, S. 473. 

«) Bücher, S. 565. 

') Urkundenbuch Nr. 319, S. 126. Bereits das Wiener Provinzialkonzil des Jahres 
1267 hatte den Juden untersagt, christliche Dienstboten und Ammen in ihren Häusern 
zu haben. Scherer S. 332. 

8) Urkundenbuch S. 739. 

9) L. c, S. 736. 
10) L. c, S. 826. 

") Siehe Bücher S. 586. 

12) Urkundenbuch S. 255. 

13) L. c. S. 263. 

Das Urkundenbuch, auf das so oft hingewiesen ist, erscheint Anfang Juni dieses 
Jahres in gleichem Verlage. 

4* 







-^j. 




PURCHASED FOR THE 

University of Toronto Lihrary 

FROM THE 

]ose'ph and Gertie Schwartz 
Memorial Lihrary Fund 

FOR THE SUPPORT OF 

Jewish Studies 



DS 
135 



Kracauer, Isidor , .^v.+ . 
Aus der inneren Geschichte 
der Juden Frankfurts im .JIV. 
Jahrhundert 






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